Unter Druck

Chinesische Polizei geht gegen SARS-Berichterstatter vor

Die chinesische Polizei geht an der Tageszeitung Southern Metropolis Daily wegen ihrer SARS-Berichterstattung vor. Vergangenen Dienstag stürmten Einheiten der chinesischen Polizei das Büro der Zeitung und nahmen den Chefredakteur und sechs weitere Mitarbeiter wegen Verdacht auf Betrug fest. Schon am darauf folgenden Tag wurden die Betroffenen wieder freigelassen. Nach Angaben der New York Times betrachten viele Journalisten die Aktion als Vergeltung für das Verhalten des Mediums im vergangenen Dezember. Die zur staatlichen Nanfang Daily Press Group gehörende Southern Metropolis Daily hatte als erstes Medium über das erneute Auftreten von SARS in der Stadt Guangzhou berichtet. Durch das Engagement der Zeitung waren die Behörden gezwungen worden, den ersten Fall von SARS in China seit vergangenem Sommer offiziell zu bestätigen.

Laut New York Times wird in Chinas staatlichen Betrieben häufig nur dann gegen Mitarbeiter wegen angeblicher finanzieller Vergehen ermittelt, wenn dies die politische Führung anordnet. Durch einen derartigen Schuss vor den Bug sollen Abtrünnige gewarnt und in weiterer Folge wieder auf den rechten Weg gebracht werden.

Noch im vergangenen Mai hatte es den Anschein, dass sich Chinas Medien vor dem Hintergrund der SARS-Krise einige Freiräume schaffen könnten. Aber seitdem habe sich das Klima in der durch Zensur geprägten autoritären Volksrepublik wieder verschlechtert. Laut New York Times sprechen einige Experten sogar davon, dass die Medien heute stärker unterdrückt werden würden als zuvor.

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