Straßenbau

Alleebäume stehen Autos im Weg

Trotz breiter Proteste plant Verkehrsminister Stolpe weiterhin, Empfehlungen an die Straßenbaubehörden herauszugeben, die das schleichende Ende der deutschen Alleen besiegeln würden. Das kritisiert die Umweltorganisation ROBIN WOOD. "Empfehlungen zum Schutz vor Unfällen mit Aufprall auf Bäume" (ESAB) heißt das strittige Papier. Ausgearbeitet hat es die Forschungsgesellschaft für Straßen- und Verkehrswesen aus Köln im Auftrag des Bundesverkehrsministeriums. Das dort zuständige Gremium sei jedoch ausschließlich mit Ingenieuren aus dem Verkehrs- und dem Versicherungsbereich besetzt, so die Kritik.

"Über die Zukunft der Alleen in Deutschland verhandelt zur Zeit ein Kreis von Technokraten, die Straßenbäume allein als Unfallverursacher und Kostenfaktor sehen", sagt Robin Wood-Waldreferent Rudolf Fenner. Vor allem der Vorschlag, dass Alleenbäume nicht mehr nahe am Straßenrand gepflanzt werden sollen, stößt auf Kritik. Genannt werden Abstände von acht Metern und mehr. Zwar seien inzwischen aufgrund des öffentlichen Drucks konkrete Meterangaben aus den ESAB verschwunden. Gewonnen sei dadurch aber nichts, denn statt dessen werde jetzt auf die entsprechenden Angaben in einem anderen Regelwerk verwiesen, den Richtlinien für passiven Schutz an Straßen durch Fahrzeuge-Rückhaltesysteme (RPS). Doch die seien zur Zeit in der Überarbeitung, ohne dass die Verbände des Natur- und Landschaftsschutzes daran beteiligt würden.

Damit die Alleen nicht nach und nach aus der Landschaft verschwinden, müssten Straßenbäume nachgepflanzt werden, so die Forderung der Umweltschützer. Und zwar nicht in einem Abstand von acht Metern vom Fahrbahnrand, sondern so dicht, dass der typische Alleeneindruck entstehe.

Darüber hinaus müsse die Diskussion in ein anderes Fahrwasser gebracht werden. Bislang werde über Alleen verhandelt, als seien sie schuld an Unfällen. Von den eigentlichen Unfallursachen wie überhöhte Geschwindigkeiten, Unaufmerksamkeit, Ermüden und Alkohol werde dadurch abgelenkt. Deshalb sei eine grundlegende Überarbeitung der ESAB notwendig, die den wahren Unfallursachen Rechnung trage.

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