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Lust auf Leben wecken statt Gewalt durch Computerspiele

Kriminologe Pfeiffer

Der Kriminologe Christian Pfeiffer sieht die Misshandlung eines Schülers an einer berufsvorbereitenden Schule in Hildesheim als ein Resultat zunehmender Medienverwahrlosung unter Jugendlichen. Gerade das ständige Betrachten von brutalen Szenen in Actionfilmen und bei Computerspielen führe zu einer "extremen Desensibilisierung", sagte der Direktor des Kriminologischen Forschungsinstituts Niedersachsen am Dienstag in einem Gespräch mit der Nachrichtenagentur ddp in Hannover.

Studien belegten, dass männliche Jugendliche aus den Hauptschulen und den Berufsvorbereitungsjahren täglich rund vier Stunden derartige Medienangebote konsumierten. Dadurch sei eine "Betrachtermentalität" entstanden, Vorfälle wie die in Hildesheim mit ähnlichem Nervenkitzel zur Kenntnis zu nehmen wie ein Horrorvideo.

Hinzu komme, dass es in der betroffenen Klasse eine "Zusammenballung von Problemkindern" gebe. In Berufsvorbereitungsklassen befänden sich typischerweise überproportional viele männliche Jugendliche, die massive Gewalt in der Familie erlebt hätten. Pfeiffer fügte hinzu: "In unserer Winner-Looser-Kultur erleben sie sich vielfach als die Verlierer." Es gebe "keine schärfere Zusammenballung" von Jugendlichen ohne richtige gesellschaftliche Perspektive.

Bei den in solchen Klassen "zwischengeparkten" Jugendlichen ohne Hauptschulabschluss machten sich Aggressivität und Frust über ein verpfuschtes Schulleben breit. Hinzu komme, dass diese überwiegend zugewanderten männlichen Jugendlichen sich einer Machokultur verpflichtet fühlten, in der das Zeigen von Mitleid als uncool gelte.

Der Kriminologe sprach sich für intelligente Lösungen im präventiven Bereich aus. Es gehe darum, "Lust auf Leben zu wecken". Kinder müssten weg von der passiven Betrachtermentalität hin zu aktiver Teilhabe am Leben. Erfreulich nannte er in diesem Zusammenhang die Ankündigung von Niedersachsens Kultusminister Bernd Busemann (CDU), gerade für die Hauptschulen Ganztagsangebote einzurichten. Durch sportliche Betätigung beispielsweise kämen die Kinder "aus der passiven Glotzhaltung" heraus, die sich in Deutschland wegen der Halbtagsschulen stärker ausgebreitet habe als in irgendeinem anderen europäischen Land.

Um Vorfälle wie in Hildesheim zu vermeiden, sei aber ein Bündel von Maßnahmen notwendig, sagte Pfeiffer. Das fange nicht zuletzt bei der besseren Integration von Migrantenkindern im Kindergarten an, um später zu verhindern, dass sie zu Schulversagern werden.

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