Fischerei
EU-Subventionen für die Ausbeutung bedrohter Tunfische im Mittelmeer
Allein 2003 wurden 21.000 Tonnen des als Delikatesse geltendenden Blauflossentuns verarbeitet - eine Steigerung von 50 Prozent gegenüber dem Vorjahr. "Die Tunfisch-Farmen im Mittelmeer sind völlig außer Kontrolle geraten. Die Bestände sind längst überfischt", erklärt Dirk Riebensahm, Fischereiexperte des WWF Deutschland. Spanien, Italien, die Türkei, Malta, Zypern, Kroatien, Tunesien und Lybien unterhalten Tunfischfarmen. Andere Länder, wie Frankreich, beteiligen sich am Fang.
Die EU fördert die kommerzielle Fischzucht, die sogenannte Aquakultur. Doch bei den Tunfisch-Farmen handelt es sich nicht um Aquakultur, weil hier nicht gezüchtet, sondern Wildfisch aus dem Meer gefangen wird. "Wir fordern die EU auf, diese Gesetzeslücke zu schließen. Außerdem muss Brüssel Fangquoten für die Tunfisch-Farmen festlegen", sagt der WWF-Referent. "Wenn die EU nicht umgehend handelt, wird der Blauflossentun aus dem Mittelmeer verschwinden." Der Fang müsse etwa auf ein Drittel des heutigen Niveaus gesenkt werden, um sein Überleben zu sichern.
Der WWF kündigt seine Mitarbeit in der Arbeitsgruppe für nachhaltige Tunfisch-Farmen auf. Das Gremium wird von den beiden wichtigsten Komissionen zur Regulierung der Fischerei im Mittelmeer koordiniert, der "General Fisheries Commission for the Mediterranean" (GFCM) und der "International Commission for the Conservation of Atlantic Tunas" (ICCAT). "In der Arbeitsgruppe dominieren die kurzfristigen Profitinteressen der Industrie auf Kosten einer nachhaltigen Fischereiwirtschaft. Unsere Forderungen finden kein Gehör", zeigt sich Riebensahm enttäuscht. Bis zu 30 Jahre kann ein Blauflossentun alt werden. Allerdings dürfte heute kaum noch einer der begehrten Speisefische dieses stolze Alter erreichen.
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