CeBit

Überwachungspreis geht diesmal an Vitronic für Autoerfassung an Straßen

Der Chaos Computer Club überreichte am Stand der Firma Vitronic, Hersteller von Systemen zur automatischen Erkennung von Autokennzeichen. Auf der CeBit ihren diesjährigen Spitzelpreis CCCeBit-Award für Überwachungssysteme. Seit 2001 "prämiert" der Club so Firmen, deren Technik Freiheiten dramatisch beschneiden. Im Jahr 2001 erhielt ihn Siemens, wegen Filterprogrammen, im Jahr 2002 diverse Firmen wegen Zensur im Internet und im vergangenen Jahr IBM wegen TCPA.

Dieses Jahr geht der Award an die Firma Vitronic, die Hersteller der optischen Erfassungstechnik, die automatisch vorbeifahrende Fahrzeuge erfasst und ihr Kennzeichen ausliest, um diese Daten zur Speicherung und weiteren Verwendung mit Ort- und Zeitangaben weiterzugeben. Die automatische Erfassung und Weiterverarbeitung hat durch Vitronic eine neue Qualität.

Nicht mehr Menschen beobachten die Menschen, sondern Maschinen beobachten Menschen. Diese Maschinen sind leistungsfähig genug, um sämtliche Daten auszuwerten und somit alle Vorgange vor den Kameras zu verarbeiten. Der Einzelfall der Beobachtung wird zum Regelfall. Die Firma Vitronic ist Hersteller von Bildverarbeitungssystemen. Neben 3D-Korper-und Gesichtsscannern bietet Vitronic Systeme zur automatischen Erfassung von Autokennzeichen an. Prominentestes Beispiel sind die circa 300 Kontrollbrücken auf deutschen Autobahnen, die die Erhebung der LKW-Maut kontrollieren.

In den Kontrollbrücken sind Hochgeschwindigkeitskameras installiert, die Übersichts- und Kennzeichenbilder mit Hilfe einer für den Fahrer unsichtbaren Infrarot-Blitzbeleuchtung aufnehmen und das Kfz-Kennzeichen automatisch lesen. Diese Daten können dann zur Verfolgung von sogenannten Maut-Prellern verwendet werden. Die Firma schreibt: TollChecker bietet eine vollautomatische Kontrolle auf dem gesamten Autobahnquerschnitt, unabhängig von der Fahrgeschwindigkeit oder einem Spurenwechsel.

An den Kontrollstellen wird jedoch nicht nur das Kennzeichen von LKWs gelesen, sondern von allen sich der Kontrollstelle nähernden Fahrzeugen. Dieses System zur automatischen Erfassung von Autokennzeichen endet jedoch nicht nur bei der LKW-Maut Anwendung. Auch das bayerische Innenministerium hat bereits an der deutsch-tschechischen Grenze Systeme von Vitronic zur automatischen Erfassung des Grenzverkehrs getestet. In Thüringen war eine solche Anlage ohne jegliche rechtliche Grundlage in Betrieb. Andere Innenministerien bereiten gerade notwendige Gesetzesänderungen vor, um solche Kennzeichen-Lesesysteme an wichtigen Verkehrsknotenpunkten zu installieren.

Auch wenn viele aus den unterschiedlichsten Bereichen der Politik und die zuständigen Aufsichtsbehörden für den Datenschutz keine Bedenken gegen eine massenhafte Erfassung von Kennzeichen haben, sieht der Chaos Computer Club ein hohes Missbrauchspotential durch die Ermittlungsbehörden: Es bestehe die Gefahr, dass solche Systeme Begehrlichkeiten wecken, die mit unserer Vorstellung eines Rechtsstaates nichts zu tun hätten. Zum Beispiel könnte durch eine unscheinbare Gesetzesänderung eine komplette Speicherung der Bewegungsprofile von Bundesbürgern zulässig werden. Technisch machbar sei sie bereits, dank der Produkte von Vitronic.

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