Bundesweit Aktionen auch am Wochenende
Fehlende Kennzeichnung für Gentech-Fleisch und -Eier in der Kritik
"80 Prozent aller gentechnisch veränderten Pflanzen werden an Tiere verfüttert", berichtet Matthias Wolfschmidt von foodwatch. McDonald's Deutschland verarbeite jedes Jahr 100.000 Kühe zu Hamburgern, an die insgesamt rund 15.000 Tonnen Soja verfüttert würden, rechnet foodwatch vor. Soja wird aus Ländern wie den USA, Argentinien oder Brasilien importiert. In den USA wachsen bereits auf etwa 81 Prozent der Sojaanbaufläche gentechnisch veränderte Sojapflanzen, in Brasilien auf 35 Prozent und in Argentinien gar auf 99 Prozent.
Doch bei den Endprodukten wie Milch, Eiern oder Hamburgern muss der Einsatz von Gentechnik-Futter nicht deklariert werden. "So werden Verbraucher zu Zwangsunterstützern der Gentechnik", kritisiert Wolfschmidt. Mit der Aktion will foodwatch McDonald's dazu bringen, Hamburger ohne Einsatz von gentechnisch verändertem Tierfutter anzubieten. Dabei stützt sich die Organisation auch auf eine Umfrage unter McDonald's-Kunden. Unter "www.burgerbewegung.de" ruft foodwatch dazu auf, von McDonald's Hamburger ohne Gentechnik zu verlangen.
Das Meinungsforschungsinstitut Ipsos ermittelte im Auftrag von foodwatch Anfang April in einer repräsentativen Umfrage bei 1133 Kunden von McDonald's, dass 52 Prozent den Einsatz von Gentechnik-Futter für "problematisch" halten. Lediglich 28 Prozent haben keine Probleme damit und 20 Prozent ist Genfutter "egal". Weil ab Sonntag der Einsatz von Gentechnik auch bei Futtermitteln gekennzeichnet werden muss, sieht foodwatch Produzenten in der Pflicht: "Um den Kunden echte Wahlfreiheit zu bieten, kann McDonald's ab sofort seinen Lieferanten vorschreiben, auf gentechnisch veränderte Sorten wie Soja oder Mais im Futter zu verzichten", erklärt Wolfschmidt. "Nur Futter ohne Gentechnik ergibt Burger ohne Gentechnik." Der Weltmarkt biete genügend Alternativen an, denn weltweit seien noch 95 Prozent aller Äcker gentechnikfrei. Die Umstellung auf gentechnikfreies Futter würde einen Hamburger nicht einmal einen Cent teurer machen, hat foodwatch berechnet.
Unternehmen wie Müllermilch, Herta Fleischwaren oder Deutsches Frühstücksei ignorierten den Verbraucherwunsch nach gentechnikfreier Nahrung, sagte Stephanie Töwe, Gentechnik-Expertin von Greenpeace. "Diesen Firmen ist es egal, ob Kuh, Schwein oder Huhn mit Gen-Pflanzen voll gepumpt werden." Sie können sich auf der Lücke in der Kennzeichnungsverordnung ausruhen", kritisiert Töwe.
Handelsketten wie EDEKA und tegut gingen dagegen mit gutem Beispiel voran. Sie würden nicht nur Gen-Zutaten in ihren eigenen Fleisch- und Wurstmarken vermeiden, sondern hätten Gen-Pflanzen zudem aus den Futtermitteln dafür verbannt. Auch Firmen wie Wiesenhof oder Unilever mit der Marke "Du darfst" zeigten, dass es ohne Gen-Soja im Tierfutter ginge.
Die neuen Kennzeichnungsvorschriften bringen aber auch Vorteile für die Verbraucher. Erstmals muss beispielsweise gentechnisch verändertes Sojaöl gekennzeichnet werden. Viele Lebensmittelunternehmen haben inzwischen Zutaten aus ihren Produkten genommen, die ab Sonntag kennzeichnungspflichtig sind. "Nur bei der Verfütterung von Gen-Pflanzen an Nutztiere bleiben die meisten Unternehmen untätig", kritisiert Greenpeace.
Der Deutsche Raiffeisenverband kündigte am Freitag an, auf den Einsatz von Gentechnik in Futtermitteln kann "auch in Zukunft nicht verzichtet werden".
Unter anderem gegen diese Ansicht wird am Wochenende demostriert. Am Samstag demonstriert das Bündnis "geNOfood" in Berlin (15 Uhr, Alexanderplatz, in Bernau, Bielefeld, Strausberg und Tharandt mit Aktionen vor und in Supermärkten. Für Sonntag ruft ein Bündnis von Kirchen, Gewerkschaften, Umwelt- Verbraucher-, Entwicklungshilfe- und Landfrauen- und Bauernverbänden zu einer bundesweiten Demonstration gegen Agro-Gentechnik in Stuttgart auf. Um 11 Uhr geht es vom Stuttgarter Marienplatz zum Schlossplatz.
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Am 16. Apr. 2004 unter:
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