Genfood
Tausende demonstrierten gegen Gentechnik im Essen
Auf der anschließenden Kundgebung auf dem Schlossplatz forderte Professor Ernst Ulrich von Weizsäcker (MdB), Gründer des Wuppertal Instituts für Klima, Umwelt und Energie, die Politik auf zu verhindern, dass Pflanzen durch eine Handvoll weltweit agierender Großkonzerne patentiert werden. "Wer die Macht über Saatgut in die Hände weniger gibt, kann die Ernährung der Bevölkerung später nicht mehr gewährleisten."
Mehrfach kritisierten die elf Redner die CDU-dominierten Landesregierungen, die im Bundesrat bzw. im Vermittlungsausschuss eine Verwässerung des Gentechnikgesetzes betreiben und das Haftungsrisiko der Allgemeinheit aufhalsen wollen. "Akzeptieren Sie diesen breiten Protest endlich als unmissverständlichen Wählerauftrag und sorgen Sie in den anstehenden Gesetzgebungsverfahren für einen effektiven Schutz der gentechnikfreien Landwirtschaft und gentechnisch unveränderter Lebensmittel", appellierte Thomas Dosch, Bund für Ökologische Lebensmittelwirtschaft (BÖLW), an die Politik.
Dosch verwies auf eklatante Regelungslücken bei Milch, Eiern und Fleisch in der neuen Kennzeichnungsverordnung für gentechnisch veränderte Lebensmittel, die am 18. April 2004 in Kraft tritt. Sie biete dem Verbraucher keine ausreichende Sicherheit beim Einkauf und müsse deshalb dringend nachgebessert werden. Christian Reuter, Vorsitzender des Kreisbauernverbandes Tübingen, berichtete von einer stark zunehmenden Bereitschaft unter den Landwirten, sich freiwillig in gentechnikfreien Regionen zusammenzuschließen. Die Politik müsse hierzu die rechtlichen Rahmenbedingungen schaffen. Er forderte aber auch die Verbraucher auf, ihrer in zahlreichen Umfragen geäußerten Ablehnung von gentechnisch veränderten Lebensmitteln Taten folgen zu lassen: "Nur durch den Einkauf gentechnisch unveränderter Lebensmittel können wir verhindern, dass die Gentechnik bei uns Einzug hält."
Die Vertreter vom Aktionsbündnis "Gentechnikfreie Landwirtschaft" freuten sich über die großartige Resonanz. Der Funke sei übergesprungen und der Widerstand werde in den nächsten Wochen auf vielfältige Weise weitergehen. "Die Gentechnik ist eine Risikotechnologie, die - einmal auf unseren Äckern ausgesät - nicht mehr kontrollierbar ist. Wird Gentechnik auf den Feldern angebaut, kann eine Auskreuzung auf natürlich gewachsene Pflanzen nicht mehr verhindert werden. Ein Nebeneinander in Koexistenz ist nicht möglich. Dies belegen die Erfahrungen der Landwirte in Kanada und Argentinien", fasste Jürgen Binder vom Aktionsbündnis zusammen.
Wenn die Gentechnik erst einmal großflächig zum Einsatz komme, gebe es bald keine Lebensmittel mehr, für die Gentechnik-Freiheit garantiert werden kann. Genmanipuliertes Saatgut gefährde die Existenz von allen Imkern, Bauern und Gärtnern, die ohne Gentechnik arbeiten. Diese Technologie berge ungeklärte Risiken für Natur und menschliche Gesundheit und eigne sich schon gar nicht zur Lösung der Probleme in der Dritten Welt. Deshalb sollte das Motto auch weiterhin lauten: Wir bleiben sauber: Gen-Food - nein danke!
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Am 19. Apr. 2004 unter:
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