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Rau warnt vor zügelloser medizinischer Forschung

Ärztetag

Bundespräsident Johannes Rau warnt vor einer zügellosen medizinischen Forschung. Die Freiheit der Forschung sei "nicht frei von Bindungen", sagte Rau am Dienstag in einer Rede vor dem 107. Deutschen Ärztetag in Bremen. Die "Unantastbarkeit der Würde des Menschen" müsse das Leitbild sein, das der medizinischen Forschung "Richtung vorgibt und ihr Grenzen setzt". Embryonen etwa dürften nicht als "Experimentiermasse" verwendet und "nach Gebrauch" verworfen werden.

"Wir dürfen die Gefahr der biologischen Selektion nicht verharmlosen, nur um einem möglichen therapeutischen Nutzen nachzujagen", mahnte der Bundespräsident vor dem Ärzteparlament. Unser Menschenbild gründe sich auf der Würde des Menschen.

Rau sagte weiter, am Beginn aller medizinischen Forschung müsse eine "Wertentscheidung" stehen. "Wir brauchen einen Konsens darüber, welche technischen Möglichkeiten mit unseren Wertvorstellungen vereinbar sind und welche nicht", fügte der Bundespräsident hinzu. Die Menschen dürften sich keine Entscheidung darüber anmaßen, wann ein Leben zu Ende gehen solle.

Rau begrüßte, dass die Bundesärztekammer in ihren kürzlich verfassten Grundsätzen zur ärztlichen Sterbebegleitung am "strikten Nein" zur aktiven Sterbehilfe festhält. "Wir wollen nicht in einer Gesellschaft leben, die den Menschen den Tod nahe legt, wenn sie mit dem Leben nicht mehr zurechtkommen", sagte der Bundespräsident. Statt dessen müsse mehr dafür getan werden, um Schmerz und Verzweiflung bis zu letzten Minute zu lindern. Auf diese Aufgabe müssten Mediziner bereits in ihrer Ausbildung vorbereitet werden.

Zugleich mahnte Rau klare Ziele in der Gesundheitspolitik an. Es müsse deutlicher werden, "warum vieles bleiben soll, wie es ist, warum anderes geändert werden soll und was unbedingt anders werden muss", sagte der Bundespräsident. Er rate dabei zu einer Sprache, "die die Menschen verstehen können ohne Ärzte oder diplomierte Gesundheitswissenschaftler zu sein". Rau rief ferner zu einem verantwortungsbewussten Umgang mit den begrenzten Mitteln im Gesundheitswesen auf. Der Deutsche Ärztetag dauert bis Freitag.

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