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Ärzte ohne Grenzen warnt vor Folgen eines neuen Gesundheitssystems

Burundi

In Burundi sind rund eine Million Menschen von der medizinischen Grundversorgung ausgeschlossen. Zudem sind zwei Drittel der Bevölkerung gezwungen, das Wenige, das sie besitzen, zu verkaufen, um eine medizinische Behandlung bezahlen zu können. Zu diesem Ergebnis kommt ein Bericht, den Ärzte ohne Grenzen am Donnerstag in Nairobi veröffentlichte. Die Situation ist nach Angaben der Hilfsorganisation die direkte Folge der Einführung eines neuen Gesundheitssystems, das auf Kostendeckung ausgerichtet ist. Ärzte ohne Grenzen ruft alle verantwortlichen Akteure des Entwicklungs- und Gesundheitssektors auf, die Gesundheitsversorgung für die verarmte Bevölkerung zu garantieren.

Das neue Gesundheitssystem wurde mit Unterstützung der Weltbank sowie des Internationalen Währungsfonds (IWF) und einiger Geberländer im Februar 2002 in zwölf der 17 Provinzen des Landes eingeführt. Seitdem müssen etwa fünf der fast sieben Millionen Burundier die Kosten für ihre Gesundheitsversorgung selbst tragen. Für eine Million Menschen bedeutet dies den Ausschluss von jeglicher medizinischer Versorgung. Die Regierung, die den Großteil ihres Budgets für die Finanzierung des seit Jahren anhaltenden Bürgerkrieges verwendet, kommt lediglich für die Löhne des medizinischen Personals sowie den Aufbau von Infrastruktur auf.

In einer retrospektiven Studie hat Ärzte ohne Grenzen die Folgen des neuen Gesundheitssystems für die burundische Bevölkerung untersucht. Die Studie kommt zu Besorgnis erregenden Ergebnissen: Die Sterblichkeitsrate, die in Burundi ohnehin im gesamten Land über dem Schwellenwert für eine akute Krise liegt (1/10.000 pro Tag), ist in den Gebieten, in denen das kostendeckende System eingeführt wurde, alarmierend hoch. Sie liegt dort bei 1,6 pro 10.000 Menschen am Tag. Bei Kindern unter fünf Jahren beträgt sie 4,9/10.000 pro Tag (Schwellenwert: 2/10.000 pro Tag). In den betroffenen Gebieten muss ein Patient durchschnittlich den Lohn von zwölf Tagen landwirtschaftlicher Arbeit für eine einfache Konsultation im Gesundheitszentrum bezahlen.

Der Bericht von Ärzte ohne Grenzen zeigt zudem, dass 99 Prozent der burundischen Bevölkerung unter der absoluten Armutsgrenze von einem US-Dollar pro Tag leben. 85 Prozent müssen mit weniger als einem US-Dollar pro Woche auskommen. "Wenn die Menschen hier ihre Gesundheitsversorgung selbst bezahlen müssen, bedeutet dies, ihnen de facto den Zugang zu medizinischer Versorgug zu verweigern", sagte Luc Nicolas, Programmleiter für Burundi. In den fünf verbleibenden Regionen des Landes, in denen das neue System nicht eingeführt wurde, haben Organisationen wie Ärzte ohne Grenzen mit Unterstützung des Gesundheitsministeriums ein System entwickelt, das der Bevölkerung eine kostenlose Versorgung ermöglichen soll.

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