Starke Milbenbelastung

Westlicher Lebensstil verursacht Allergien

Für die starke Zunahme von allergischen Erkrankungen von Kindern- und Jugendlichen machen Mediziner "Einflüsse des westlichen Lebensstils" verantwortlich. Während bei Ost- und Westdeutschen, die vor 1960 geboren wurden, in den 90er Jahren gleich häufig Allergien beobachtet wurden, habe die Häufigkeit bei jüngeren Westdeutschen deutlich zugenommen. Die Ursachen für die Zunahme von allergischen Reaktionen seien höchstwahrscheinlich durch die Lebensverhältnisse "hausgemacht", sagte der Krefelder Mediziner Hermann Schulte-Wissermann am Freitag am Randes des Kinder- und Jugendärztetages in Hannover. Eine auch durch immer bessere Wärmeisolierung hervorgerufene relativ hohe Luftfeuchtigkeit und stabil hohe Temperaturen durch Zentralheizung begünstigten das Milbenwachstum. Schulte-Wissermann betonte, je höher die Milbenbelastung in den ersten Lebensjahren, desto eher entwickelten sich allergische Beschwerden bei Kindern.

Gerade in den Betten hielten sich "Millionen von Milben" auf, die aber durch regelmäßiges Lüften bei niedrigen Temperaturen reduziert werden könnten. Nach Ansicht des Mediziners sollte nicht jede kleine Infektion bei Kindern mit medizinischen Mitteln verhindert werden. Das Immunsystem müsse "wie jedes andere Körperorgan trainiert" werden, um zu funktionieren.

Als besonders häufiger Auslöser von Allergien sei das Para-Phenylendiamin ausgemacht worden, das beispielsweise auch in Tattoo-Farbstoffen vorkomme. 17 Prozent der Tattooträger bekämen dadurch "dauerhaft Ärger" mit Allergien.

Nach dem aktuellen "Weißbuch Allergie in Deutschland" nahm der Anteil der Kinder mit Asthma-Symptomen von 1995 bis 2000 von 10 auf 13 Prozent zu, derjenigen mit Heuschnupfen von 13 auf 16 Prozent. Während die Allergierate bei Kindern im Osten von der Wende für Asthma und Heuschnupfen deutlich niedriger lag, habe sich diese inzwischen dem hohen Westniveau angeglichen.

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