Hans Blix
Mission Irak
Persönliche Eindrücke aus den Reihen der mächtigsten Männer der Welt - und mit US-Sicherheitsberaterin Condoleezza Rice auch immerhin einer Frau - machen aus Blix' Buch mehr als eine reine Chronik der Ereignisse um das Zweistromland. Auch wenn das saubere Zusammentragen der Daten und Fakten im Nachhinein den enormen Zeitdruck sehr plastisch macht, unter dem die Inspekteure die Schuld oder Unschuld des Irak beweisen sollten.
Blix unterfüttert die mittlerweile wohl herrschende Ansicht, dass die USA und Großbritannien die Welt bewusst über die Massenvernichtungswaffen des Irak belogen haben, mit Unmengen an Hinweisen und Fakten. Wer würde eine Heimwerker-Arbeit aus einem Zweitakt-Motor, Balsaholz und starkem Klebeband als Kampfbomber zum Abwurf biologischer und chemischer Kampfstoffe ansehen? Die Waffeninspektoren von der UNMOVIC jedenfalls ebensowenig wie die US-Luftwaffe. Nichtsdestotrotz musste Blix etwa in der Londoner Times lesen, er habe diese Drohnen bewusst verschwiegen, um nicht zu dem Mann zu werden, der den Krieg auslöst.
Viele Anfeindungen musste Blix ertragen, doch letztlich hat er recht behalten. Es könnte ihm wohl niemand verübeln, wenn er seine Gegner jetzt massiv angreifen würde. Doch das hat Blix nicht nötig. Er beschränkt sich auf die Fakten, wie er es schon im Irak getan hat, und versucht, das Handeln der Akteure zu erklären. Aber dann verlässt er doch seine Rolle als reiner Empfänger von Aufträgen des Sicherheitsrates: Zum Abschluss präsentiert Blix noch einige Vorschläge, wie künftig die Verbreitung von Massenvernichtungswaffen verhindert oder Völker von Despoten befreit werden könnten. Und fasst zusammen: Der Irak-Krieg 2003 war eben kein Fall eines berechtigten Präventivschlags.
Hans Blix: Mission Irak - Wahrheit und Lügen, 340 Seiten, Droemer, 19,90 Euro.
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Am 22. Jun. 2004 unter:
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