WWF Studie
Vier Sekunden können Schweinswale retten
Für diese Studie haben Kieler Meeresbiologen eine aufwändige vergleichende Versuchsreihe unter natürlichen Bedingungen mit frei lebenden Schweinswalen in Kanada durchgeführt. Sie verglichen das Verhalten der Schweinswale vor konventionellen Netzen und reflektiven Bariumsulfatnetzen am gleichen Ort bei gleichen Sichtbedingungen. Das Resultat: Die Bariumsulfatnetze "reflektierten" die Laute, die die Tiere, ähnlich wie Fledermäuse, zu ihrer Orientierung in losen Abständen aussenden, deutlich besser und gaben den Kleinwalen dadurch bis zu 4 Sekunden mehr Zeit, das Netz wahrzunehmen und auszuweichen. Die weiteren Befunde deuten darauf hin, dass der Schweinswal tatsächlich größeren Abstand zu dem Bariumsulfatnetz hält.
Dirk Riebensahm, Fischereireferent des WWF erklärt, dass der WWF mit dieser Studie erneut ein Signal geben möchte, auch an anderen Methoden zur Beifangreduktion zu arbeiten. Ein weiterer Vorteil besteht in den sehr geringen Mehrkosten dieses Netzes: Nur 10 % höher liegen die Anschaffungskosten eines Bariumsulfatnetzes gegenüber herkömmlichen Netzen nach Aussage eines Netzherstellers. Eine Massenproduktion könnte diesen Unterschied sogar noch weiter reduzieren.
Gegenüber einer bisher erprobten Methode, den Beifang von Schweins- und Kleinwalen zu reduzieren, so genannten akustischen Vergrämern oder "Pingern", haben reflektive Netze eine Reihe von Vorteilen: Sie benötigen keine Energiequelle, sind wartungsarm, praktisch zu handhaben, belasten die Meeresumwelt und ihre Bewohner nicht mit Lärm und sind für die Fischerei im laufenden Gebrauch kostenneutral. Während die EU akustische Vergrämer in der Kiemennetzfischerei ab Mitte 2005 in Nord- und Ostsee gesetzlich vorschreibt, favorisiert der WWF einen umsichtig dosierten, vorübergehenden Einsatz dieser Methode, bis ökologisch verträglichere Ansätze, wie beispielsweise reflektive Netze, zur Marktreife entwickelt sind.
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