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Berufungsprozess gegen rasenden Testfahrer klagt auch Bundesregierung an

Verkehr

Anlässlich des Prozessbeginns um den Autobahnraser in Karlsruhe am Dienstag kritisiert der Verkehrsclub Deutschland (VCD) e.V. die jahrelange Untätigkeit der Bundesregierung in Sachen Tempolimit. Durch das enge Auffahren eines Rasers war auf der Autobahn eine junge Frau und ihre kleine Tochter tödlich verunglückt. Eine Geschwindigkeitsbegrenzung hätte Leben retten können, aber die Bundesregierung hatte in diesem Jahrtausend noch nicht einmal den Mut, Forschungsaufträge zu den Effekten eines Tempolimits zu vergeben. Die Ergebnisse solcher Studien würden mit hoher Wahrscheinlichkeit der Absicht des selbsternannten Autokanzlers widersprechen, kein generelles Tempolimit auf deutschen Autobahnen einzuführen.

"Deutschland ist immer noch das einzige Land weltweit, das keine Geschwindigkeitsbegrenzung auf Autobahnen kennt. Bei einem generellen Tempolimit von 120 km/h wäre der tödliche Unfall auf der A 5 bei Karlsruhe nicht passiert," sagte VCD-Vorstandsmitglied Herrmann-Josef Vogt. Die letzte veröffentlichte wissenschaftliche Studie einer Bundesbehörde stammt aus dem Jahr 1999. Das Umweltbundesamt belegt hier die positiven Umweltauswirkungen eines Tempolimits. Aber bei der Verkehrssicherheit: Fehlanzeige. "Angesichts des täglichen Kampfes auf unseren Autobahnen und der Unfallopfer ist es skandalös, dass die Bundesanstalt für Straßenwesen (BAST), die für Fragen der Verkehrssicherheit zuständig ist, letztmals in den 80er Jahren eine Untersuchung zum Tempolimit veröffentlichte," sagte Vogt.

Allerdings liegen Fakten aus dem Realverkehr vor. Das Innenministerium des Landes Brandenburg verhängte im Dezember 2002 auf einem 62 Kilometer langen Autobahnstück der A 24 zwischen dem Dreieck Havelland und Wittstock ein Tempolimit von 130 Stundenkilometern. Die Unfallzahlen gingen von 835 Unfällen im Jahr 2002 auf 696 im Jahr darauf zurück. Im Gegensatz zu den Vorjahren gab es im Jahr 2003 auf der Strecke keinen einzigen Toten. Die Zahl der Verletzten sank von 143 im Jahr 2002 auf 94 im Jahr 2003.

Vogt: "Die Bundesregierung muss sich endlich zur Verkehrssicherheit bekennen. Wer sich aus dem Bauch heraus für uneingeschränkte Geschwindigkeit einsetzt und jede wissenschaftliche Begründung für sein Verhalten scheut, handelt fahrlässig." Aber auch die Autoindustrie müsse zu ihrer Verantwortung stehen, wenn sie die Raserei ihrer Testfahrer zumindest dulde. "DaimlerChrysler baut nicht nur extrem schnelle Autos, sondern ließ auch zu, dass seine Werksfahrer mit unverantwortlichem Tempo Rekordfahrten auf der Autobahn veranstalten," sagte Gerd Lottsiepen, verkehrspolitischer Sprecher des VCD. "Deshalb sitzt auch DaimlerChrysler im Raserprozess mit auf der Anklagebank."

Der VCD tritt mit dem Konzept "Vision Zero" für eine Neuausrichtung in der Verkehrssicherheitspolitik ein, die den Menschen zum Maßstab für die Verkehrsgestaltung macht und das Ziel von Null Verkehrstoten verfolgt. Durch eine Vielzahl von koordinierten Einzelmaßnahmen, darunter generelle Tempolimits, müsse die Zahl der Verkehrsopfer bis zum Jahr 2010 zunächst halbiert werden.

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