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Amerikas Krieg gegen die Menschenrechte

Guantánamo Bay

Gitmo. Das ist Slang des US-Militärs und bedeutet Guantánamo. Guantánamo Bay ist das wahrscheinlich härteste Gefängnis der Welt. Wie hart, das berichtet David Rose in seinem seiner sorgfältig recherchierten Dokumentation "Guantánamo Bay". Der Untertitel "Amerikas Krieg gegen die Menschenrechte" fasst das Buch sehr passend zusammen. Denn die Ergebnisse von Roses Recherche sind deutlich: Das, was das US-Militär in Guantánamo tut, widerspricht den Menschenrechten - und bleibt dennoch ungeahndet. Denn Guantánamo Bay ist ein rechtsfreier Raum, ein "juristisch schwarzes Loch".

Geographisch gehört das Territorium zu Kuba, wurde aber von den USA 1903 als Folge des spanisch-amerikanischen Krieges in "unbefristete Pacht" genommen. So ist kein Gericht dafür zuständig. Dazu kommt, dass die USA die Inhaftierten von Guantánamo nicht als Kriegsgefangene behandeln. Somit stehen sie nicht unter dem Schutz der Genfer Konvention. Da sind zum Beispiel Asif Iqbal, Ruhal Ahmed und Safiq Rasul. Die drei Männer gehörten zu den ersten, die Anfang 2002 nach Guantánamo gebracht wurden. Zwei Jahre blieben sie dort. Zwei Jahre, in denen ihre Familien und deren Anwälte verzweifelt versuchten, die Gründe für ihre Inhaftierung gerichtlich prüfen zu lassen. Denn Iqbal, Ahmed und Rasul kommen aus England. Aus verschiedenen, persönlichen Gründen gingen sie im Herbst 2001 nach Pakistan. Als sich abzeichnete, dass Afghanistan angegriffen werden sollte, überschritten sie die Grenze, um dort mit ihrem Geld humanitäre Hilfe zu leisten. Durch eine Kette von Zufällen gelangten sie in das Gefängnis von Schebergan, wurden später amerikanischen Spezialeinheiten übergeben - und konnten froh sein, überhaupt überlebt zu haben. Die Spezialeinheiten brachten sie schließlich nach Guantánamo. Zwar kamen alle der Männer frei. Doch in ihrem Leben ist seitdem nichts mehr wie es vorher war. Über ihre Freilassung wurden sie unmittelbar vorher unterrichtet und damit Wochen später als die Presse.

Dass ein Verhandlungstermin für sie angesetzt war, wussten sie nicht. Noch erschreckender als die Geschichte dieser drei Männer sind aber die Methoden, mit denen die Häftlinge in Guantánamo behandelt werden. Einzelhaft, Unterbringung der Gefangenen in Käfigen, Verhörmethoden, die nach mitteleuropäischem Denken problemlos als Folter durchgehen würden - all das haben die meisten der Inhaftierten in Guantanámo erlebt. Für seine Recherchen hat der Journalist David Rose das Lager mehrfach besichtigt. Er hat auf bereits vorhandene Artikel zurückgegriffen und lange Gespräche mit freigelassenen Häftlingen geführt. Zudem beschaffte er sich interne Dokumente. Intern, aber nicht geheim, darauf legt er Wert. Dennoch ist davon auszugehen, dass zahlreiche Aspekte des Lagers im Dunkeln bleiben, nicht aus mangelhafter Recherche, sondern durch die strikte Geheimhaltung durch das US-Militär. So bleibt weitgehend offen, wie nützlich die Informationen, die das Militär in Guantánamo gewinnt, wirklich sind. Auch die genauen Verhörmethoden werden nicht offengelegt, nicht einmal dem Internationalen Roten Kreuz war es gestattet, alle Teile des Lagers ohne Einschränkungen zu besuchen.

"Guantánamo Bay" von David Rose ist erschienen im S. Fischer-Verlag. Die Taschenbuchausgabe hat 191 Seiten und kostet 14,90 Euro.

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