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Lehrer und Eltern fordern Abschaffung des gegliedertes Schulwesens

Bildung

Der Bundeselternrat (BER) und die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) haben auf die vielfältigen Probleme hingewiesen, die das frühe Einsortieren der Kinder in verschiedene Schulformen mit sich bringt. "Die Wahl der Schulform am Ende der Grundschulzeit überfordert Kinder, Eltern und Lehrkräfte. Alle Untersuchungen belegen zudem, dass das Einsortieren der Zehnjährigen in Haupt-, Realschüler und Gymnasiasten in höchstem Maße ungerecht ist und Zukunftschancen verbaut. Das gegliederte Schulwesen muss zum Auslaufmodell gemacht werden", sagten GEW-Schulexpertin Marianne Demmer und BER-Vorsitzender Wilfried Steinert am Freitag in einer gemeinsamen Presseerklärung.

Sie kritisierten, dass der Schulerfolg eines Kindes in keinem anderen hochindustrialisierten Land so stark von Geldbeutel und sozialem Status der Eltern abhängig sei wie in Deutschland. "In Bayern etwa hat ein Kind aus einer Facharbeiterfamilie bei gleicher Intelligenz und Leistungsfähigkeit eine sechsmal geringere Chance, den Sprung aufs Gymnasium zu schaffen, als ein Akademikerkind", betonten Demmer und Steinert.

"Das deutsche Schulsystem verstärkt die Benachteiligung von Kindern aus sozial schwächeren und Migrantenfamilien", unterstrichen die beiden Sprecher. Im Vergleich zum Gymnasium lernten Kinder mit gleicher Intelligenz, die eine Hauptschule besuchen, sehr viel weniger. In der Lesekompetenz liegt der Unterschied laut der Schulleistungsstudie PISA bei einer Lernzeit von etwa 1,5 Schuljahren. Die Forscher begründen dies mit den schlechteren Lernbedingungen an den Hauptschulen, an denen soziale Probleme schärfer zu Tage treten.

Demmer und Steinert kritisierten, dass Kinder mit ein und derselben Leseleistung für ganz unterschiedliche Schulformen empfohlen würden. "Bei gleicher Lesekompetenz kann ein Kind die Empfehlung für das Gymnasium oder die Hauptschule erhalten - oder umgekehrt. Auch hier spielt die soziale Herkunft der Kinder eine wichtige Rolle", stellten die Sprecher fest. Sie warnten davor, die Schuld für diese Situation den Lehrerinnen und Lehren zuzuweisen. Die Lehrkräfte würden durch das Schulsystem gezwungen, die Kinder auszulesen. Das erzeuge bei allen Beteiligten einen hohen Druck, dem beispielsweise viele Kinder ohne Unterstützung aus dem Elternhaus nicht gewachsen sind. "Die dringend notwendige individuelle Förderung der Kinder, die ganz unterschiedliche Voraussetzungen mitbringen, kommt bei dem Auslesedruck unter die Räder", sagten die GEW-Expertin und der Elternchef.

Die Hälfte aller Eltern wünscht sich laut einer aktuellen Untersuchung des Dortmunder Instituts für Schulentwicklungsforschung für ihre Kinder das Abitur als Schulabschluss. Nur noch neun Prozent streben für ihren Nachwuchs den Hauptschulabschluss an. Dagegen besucht nur knapp ein Drittel der Jungen und Mädchen eines Jahrgangs ein Gymnasium, ein Viertel aber die Hauptschule. "Die Position der Eltern bei der Entscheidung über die Schullaufbahn ihrer Kinder muss gestärkt werden", forderten Demmer und Steinert.

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