Artenschutzkonferenz
Nashörner und Leoparden zum Abschuss frei gegeben
Die Artenschutzorganisation Pro Wildlife kritisiert insbesondere die in ihren Augen unverantwortliche Haltung der Europäischen Union, die die Entscheidung mit ihren 25 Stimmen hätte verhindern können. "Geschachere" nennt Sandra Altherr von Pro Wildlife diese Entscheidung: Viele der 166 Teilnehmer-Länder der alle zwei Jahre stattfindenden Artenkonferenz kämen nur in der Hoffnung, bestehende Handelsverbote aufzuheben. Das liefe so ab, dass Länder, die bedrohte Tiere und Pflanzen wieder für den Handel freigegeben lassen wollen, ihre Stimme für andere Länder einsetzen, denen es ähnlich geht. Sie hofften damit, Unterstützung für ihre eigenen Ziele zu erreichen, so Altherr.
Länder wie Südafrika und Namibia begründeten ihre Forderung, die Handelsverbote aufzuweichen, mit erholten Beständen. Doch wenn der Handel erlaubt werde, komme es erst dann erneut zu Handelsverboten, wenn die Bestände wieder drastisch zurückgegangen seien, so die Biologin Altherr.
Einige Staaten Afrikas und Asiens hatten sich gegen die Freigabe der Jagdquoten ausgesprochen, da sie um ihre eigenen Nashornbestände fürchten. Sie konnten sich jedoch nicht durchsetzen. "Diese Entscheidung ist fahrlässig, denn die Auswirkungen auf die Bestände lassen sich nicht abschätzen", kritisiert Daniela Freyer von Pro Wildlife.
Namibia begründete seinen Antrag für die Jagdquotenerhöhung mit den finanziellen Verlusten in Millionenhöhe, die durch die strenge Unterschutzstellung der Leoparden seit 1973 entstanden seien. Denn die Trophäen sind sehr begehrt. "Für den Abschuss eines einzigen Spitzmaulsnashorns zahlen betuchte Hobbyjäger bis 100.000 US-Dollar. Da bleibt der Artenschutz leider auf der Strecke", so Freyer. Beide Länder bekämpften seit Jahren die strengen Schutzbestimmungen des WA: So setzten beide Länder in den vergangenen Jahren den Verkauf von Elfenbein aus Lagerbeständen durch. Damit sei die Wilderei auf Elefanten angestiegen, berichtet Pro Wildlife.
Mit der Entscheidung wird der Artenschutz in beiden Ländern weiter massiv geschwächt: Die Bestände des Spitzmaulnashorns sind in den letzten 60 Jahren aufgrund von Wilderei um 90 Prozent zurückgegangen. In einigen afrikanischen Ländern ist das Spitzmaulnashorn sogar völlig ausgerottet worden. Das betrifft Mosambik, Boswana, Angola und Sambia. Trotzdem ist es zu der Entscheidung im Washingtoner Artenschutzübereinkommen (WA) gekommen. "Zwar nehmen die Populationen in Namibia (aktuell 1.134 Tiere) und Südafrika (1.179) derzeit wieder zu, doch die nun genehmigte Trophäenjagd reduziert den ohnehin sehr geringen Genpool", betont Biologin Freyer.
Für Nashörner könnte es schon bald noch eine weitere schlechte Nachricht geben: in den nächsten Tagen stimmen die WA-Staaten über einen Antrag Swasilands ab, für die 61 dort lebenden Breitmaulnashörner das absolute Handelsverbot aufzuheben. "Nach der heutigen Entscheidung ist zu befürchten, dass auch dieser unfassbare Antrag Zustimmung findet", befürchtet die Pro-Wildlife-Sprecherin.
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Am 04. Okt. 2004 unter:
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« Zivildienststellen auch ohne Zivildienst besetzbar
Monsanto-Patent auf indischen Weizen widerrufen »

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