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Neue EU-Chemikalienpolitik (REACH) nutzt innovativen Unternehmen

Chemie und Umwelt

Die Debatte um die neue europäische Chemikalienpolitik konzentriert sich vor allem auf deren wirtschaftliche Wirkungen: Was kostet die Industrie die erforderliche Mindestprüfung der Chemikalien? Ist die internationale Wettbewerbsfähigkeit der europäischen Chemieindustrie gefährdet? Es gibt viele Meinungen darüber, welche Kosten in den nächsten zehn Jahre anfallen würden. Ein gerade abgeschlossenes Forschungsprojekt des Umweltbundesamtes (UBA) zu Kosten und Nutzen der neuen EU-Chemikalienpolitik kommt zu dem Schluss: Bei effizienter Ausgestaltung des europäischen Regelwerks sind die Lasten für die Wirtschaft tragbar. Anpassungsfähige, innovative Unternehmen profitieren sogar von der neuen Chemikalienpolitik.

Die Studie "Analyse der Kosten und Nutzen der neuen Chemikalienpolitik" - erstellt im Auftrag des Bundesumweltministeriums und des UBA vom Fraunhofer Institut für Systemtechnik und Innovationsforschung (ISI) und dem Institut für Ökologie und Politik (Ökopol) - hat deutlich gemacht, welche Faktoren nach der neuen Registrierung, Bewertung und Zulassung von Chemikalien (REACH) kostenbestimmend sind und wie man das Regelwerk effizient gestalten kann.

Unter anderem beeinflussen die Regeln zur Anerkennung vorhandener Daten - einschließlich der Analogieschlüsse, die aus ähnlichen Chemikalien und aus Struktur-Wirkungs-Beziehungen gezogen werden können - die Kosten. Das heißt: Unternehmen, die bereits heute gut über die Gesundheits- und Umwelteigenschaften ihres Chemikalien-Angebots informiert sind, haben in Zukunft Vorteile. Wo dies nicht der Fall ist, wird durch REACH der Kenntnisstand über Stoffe verbessert, um den Schutz der Menschen und der Umwelt vor gefährlichen Chemikalien zu gewährleisten.

Gegenwärtig gibt es einen Wettbewerbsvorteil für Stoffe, deren Gefahrenpotential nicht zu beurteilen ist, da keine ausreichenden Daten zur Verfügung stehen. Diese Stoffe lassen sich zu niedrigeren Preisen anbieten, da Kosten für die Datenbeschaffung nicht angefallen sind. In Zukunft werden die Anwender und Verarbeiter von Stoffen durch REACH in der Lage sein, eine Auswahl zu treffen, welche Stoffe das geringste Gefährdungspotenzial aufweisen. Damit wird endlich Transparenz zwischen Herstellern, Zulieferern und deren Kunden geschaffen.

Es ist unbestritten, dass die Unternehmen stärker als bisher neue stoffliche und technische Möglichkeiten entwickeln müssen. Dies wird auch mit einer Veränderung der Stoffpaletten verbunden sein. Die veränderten Randbedingungen sind eine Chance für zukunftsorientierte, innovative Unternehmen. So bieten Entwicklungen, die alte Chemikalien durch neue ersetzen, ebenso Chancen auf dem Markt, wie neuartige Anwendungstechniken, die den Chemikalienverbrauch verringern oder sogar vollständig vermeiden. Dass die Unternehmen zu solchen Leistungen in der Lage sind, haben sie in der Vergangenheit bei notwendigen Anpassungen immer wieder gezeigt. Beispiele sind der Ersatz oder Austausch der polychlorierten Biphenyle (PCB), der kurzkettigen chlorierten Paraffine oder anderer langlebiger und sich in der Nahrungskette anreichernden Chemikalien: So gelang es etwa, PCB-haltige Flammschutzmittel in Transformatoren und elektrischen Geräten durch weniger gesundheits- und umweltbelastende Stoffe zu ersetzen.

Die neue Chemikalienpolitik hat somit auch Potenzial, die europäischen und deutschen Unternehmen zu stärken und - auf dem zunehmend sensiblen Weltmarkt - wettbewerbsfähiger zu machen. "Statt reflexartig nur schwarz zu sehen, sollten wir die Chancen wahrnehmen, welche die neue Chemikalienpolitik eröffnet. Ist REACH in Europa erst einmal etabliert, wird dies auch weltweit ein Startsignal in eine Zukunft mit geringeren Risiken durch Chemikalien - für eine sichere Zukunft für Mensch, Umwelt und Unternehmen.", sagte der Präsident des Umweltbundesamtes, Prof. Dr. Andreas Troge.

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