Korruption im Gesundheitswesen
Es ist genug Geld im Gesundheitssystem da ohne Beitragserhöhung
Die Pharmaforschung ist ein "strukturell korruptionsanfälliges System", so TI-Mitglied Peter Schönhöfer, ein Pharmakologe. Mehr und mehr Scheininnovationen überfluteten den Markt. In den Jahren von 1990 bis 2002 habe es von insgesamt 395 neuen Arneimitteln nur sieben echte Innovationsstoffe gegeben. Davon seine 20 bis 25 Schrittinnovationen, der Rest Scheininnovationen gewesen, so Schönhöfer. Es werden Stoffe mit der gleichen Wirkung als neue Mittel verkauft, ohne eine bessere Wirkung für die Gesundheit zu haben. Ein Beispiel dafür ist Tamoxifen, erklärt Schönhöfer. Das hormonblockierende Mittel gegen Brustkrebs wird neu unter dem Namen Foslodex verkauft und kostet statt 90 Euro nun 6340 Euro.
2001 gab die Pharmaindustrie fünf Milliarden Euro allein für die Werbung von Krankenkassen-Arztneien aus. Das Forschungsbudget betrug dagegen nur 1,5 Milliarden Euro, so Schönhöfer. Die fünf Milliarden würden zum Teil für gefälschte Studien ausgegeben oder für Professoren, die das Risiko von bestimmten Arzneimitteln "wegreden".
Eine andere Art von Korruption sei Ärztesoftware, die Produkte nach ihren größten Sponsoren listet, berichtet Stefan Etgeton, Mitglied der vzbv und TI Deutschland. So würde oft nicht mehr aus medizinsichen Gründen verschrieben. Brauche ein Arzt ein bestimmtes Mittel, müsse er dies in der Aufzählung lange suchen, weil Produkte der Sponsoren - wie Hexal AG und Ratiopharm - zuerst gelistet würden. Diese Werbestrategie sei darauf aus, dass Verschreibungsverhalten der Ärzte zu beeinflussen, so Etgeton.
IT Deutschland und vzbv beziehen sich nicht nur auf die Pharmaindustrie. Die deutsche Selbstverwaltung sei die deutsche Form der Undurchschaubarkeit, so Martiny. Entdeckte Korruptionsfälle jedes einzelnen Dachverbandes werden für sich registriert. Es sollte Korruptionsbeauftragte mit regionalen Anlaufstellen geben, fordern die Verbände.
Um Korruption vorzubeugen, müssten die Finanzierung von Studien, Forschungsinstituten, und die Gehälter der Ärzte sowie deren Aus- und Fortbildung transparent gemacht werden. Das Gleiche gelte für die Zulassungsverfahren für Arzneimittel. Der Weg eines Mittels müsse von der Herstellung bis zum Endverbraucher lückenlos nachvollziehbar sein.
Für die Versicherten fordern die Verbände eine nachvollziehbare Rechnung, um ein Bewusstsein für die Kosten im Gesundheitswesen zu entwickeln, mit dem die Mediziner zu rechnen haben. Nur so könnten die Versicherten Kriterien entwickeln, die einen Vergleich der ärztlichen Leistungen zulassen. Das bedarf aber wiederum Informationsmaterial von den Krankenkassen und kassen(zahn) ärztlichen Vereinigungen. Eine Chipkarten mit Foto soll Betrug verhindern.
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