Kriegsfolgen

Schwan: "Deutsche haben Polen sehr viel mehr Leid zugefügt als umgekehrt"

Die Polen-Beauftragte der Bundesregierung, Gesine Schwan, hat die Führung des Bundes der Vertriebenen scharf kritisiert. Wenn "Leute wie Frau Steinbach meinen, die Polen müssten sich entschuldigen, dann muss man sich nicht wundern, dass unsere Nachbarn allergisch reagieren", sagte die Präsidentin der Europa-Universität Frankfurt (Oder) der "Berliner Zeitung". Die deutsch-polnischen Beziehungen seien grundsätzlich gut. "Sie haben immer eine heikle Seite, und das ist die fundamentale Asymmetrie zwischen beiden Ländern und Gesellschaften", sagte Schwan. Die Deutschen hätten den Polen sehr viel mehr Leid zugefügt als umgekehrt.

"Vor allem das führt dazu, dass die Empfindlichkeiten auf polnischer Seite stärker ausgeprägt sind." Aber es gebe auch in Polen Leute, "die Kapital aus deutsch-polnischen Spannungen schlagen wollen und rückwärts gewandten Nationalismus betreiben", fügte Schwan hinzu.

Mit deutlichen Worten forderte dagegen der außenpolitische Sprecher und Unions-Fraktionsvize Wolfgang Schäuble (CDU) Polen auf, Deutschland in der Vertriebenendiskussion mehr zu vertrauen. "Wir kämpfen dafür, dass die Preußische Treuhand in Deutschland das Vertrauen nicht kaputt macht. Aber Sie müssen schon auch in Polen dafür kämpfen", sagte Schäuble zu dem früheren polnischen Botschafter in Deutschland, Janusz Reiter am Donnerstag bei einer Diskussionsveranstaltung unter dem Motto "Europa öffnet sich Aussöhnung mit der alten Heimat" im Medienzentrum der Passauer "Neuen Presse".

"Die Staaten Europas sind alle Demokratien. Es herrscht Medienvielfalt, Meinungsfreiheit und Pluralismus. Wir müssen von unseren Partnern erwarten können, dass Stimmen Einzelner, die dummes Zeug reden, nicht verallgemeinert werden, so wie es unsere Partner von uns erwarten können", sagte Schäuble über die in letzter Zeit entstandenen Verstimmungen zwischen Deutschland und seinen östlichen Nachbarländern.

Reiter hatte zuvor betont, dass das Rechtsgutachten, wonach Entschädigungsklagen vertriebener Deutscher gegen Polen aussichtslos seien, in seinem Land "zwar für Entspannung sorgt, aber das Problem noch nicht löst". Die Diskussionen der vergangenen Monate habe viel zerstört, was in den letzten 15 Jahren aufgebaut worden sei.

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