"Überzeugende Indizien"

War der Bundesnachrichtendienst in die Progrome im Kosovo involviert?

Nach ZDF-Informationen waren der Bundesnachrichtendienst (BND) und andere Geheimdienste über einen Kontaktmann vorab über die Übergriffe militanter Albaner informiert, die im Kosovo am 17. und 18. März dieses Jahres nach offiziellen UN-Angaben 19 Menschen das Leben gekostet haben. Regierungssprecher Bela Anda hatte bereits am Freitag betont, der BND habe keine Informationen unterschlagen. Nach einem Bericht der "Jungen Welt" war ein bezahlter Agent des BND sogar "einer der Hauptorganisatoren der Progrome".

Der UCK-Kämpfer Samedin Xhezairi steht nach eigenen Angaben Xhezairi "auf der Gehaltsliste des BND, der CIA und eines österreichischen Geheimdienstes", schreibt die Junge Welt. Von drei Personen könne überdies bezeugt werden, daß der BND durch Telefonüberwachung im voraus wußte, daß Xhezairi und seine Leute im März zuschlagen würden. Diese Aussagen seien der Jungen Welt sowie an andere deutsche Medien von einem westeuropäischen Nachrichtendienst zugespielt worden.

Das Nachrichtenmagazin "Der Spiegel" berichtet hingegen in seiner neuen Ausgabe unter Berufung auf Regierungskreise, der Kosovo-Albaner namens Samedin Xhezairi sei zum fraglichen Zeitpunkt keine Quelle des BND gewesen. Der Geheimdienst habe Xhezairi zwar im September 2003 kontaktiert, aber danach auf eine dauerhafte Zusammenarbeit verzichtet. Der Mann gelte im Kosovo als "graue Eminenz" mit guten Kontakten ins kriminelle Milieu und zu diversen Geheimdiensten. Laut "Spiegel" will das Parlamentarische Kontrollgremium (PKG) in den nächsten Tagen untersuchen, welchen Kontakt Bundeswehr und BND zu dem Kosovo-Albaner hatten. Der PKG obliegt die Kontrolle der Nachrichtendienste des Bundes.

Auch der ehemalige Kfor-Chef Kammerhoff bestritt, Vorabkenntnisse über die Unruhen erhalten zu haben. "Ich hatte die Information auf dem Nato-Strang nicht, über die jetzt gesprochen wird", sagte Kammerhoff. Auch wisse er nicht, was beim BND oder bei der Bundeswehr an Informationen vorhanden gewesen sei.

Grünen-Fraktionsvize Winfried Nachtwei sprach jedoch von "überzeugenden Indizien" in den Medien über den Fall. Sollten sich diese bestätigen, dann wäre die These widerlegt, wonach die internationale Gemeinschaft und die Kfor-Führung von dem Gewaltausbruch überrascht worden seien. Möglicherweise habe man mit dem Ausmaß nicht gerechnet, "aber dass sich dort etwas zusammenbraut, hat man offenbar gewusst", sagte Nachtwei.

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