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Geschwister-Scholl-Preis 2004 für Soazig Aaron

"Klaras Nein"

Die französische Schriftstellerin Soazig Aaron ist für ihren ersten Roman "Klaras Nein" mit dem Geschwister-Scholl-Preis 2004 ausgezeichnet worden. Die Tagebuch-Erzählung "Klaras Nein" schildert die fiktive Geschichte einer Überlebenden aus dem Konzentrationslager Auschwitz, die sich zurück in Paris kategorisch weigert, wieder ein "normales Leben" zu führen. "Doch sie kommt nicht wirklich, denn die, die da kommt, ist nicht mehr Klara. Sie will ihre kleine Tochter nicht mehr sehen, fragt nicht nach ihrem Mann, sie kommt lediglich, um sich zu verabschieden", heisst es in einer Rezension von buchtips.net. Klara sieht sich als ansteckende Gefahr für das Kind Victoire, als Verkörperung der Gefahr von Auschwitz, nichts als ein Minenfeld.

Unnahbarkeit und Hass machten diesen fremden Menschen aus, so buchtips.net, und ihre Schwägerin Lika sei zutiefst verängstigt und erschrocken. Trotzdem lasse sie sich auf eine schwierige und schmerzhafte Auseinandersetzung mit Klara ein und schreibe auf, was diese sage. "Nach und nach erfährt sie andeutungsweise und bruchstückhaft ein wenig von dem Grauen, das Klara erlebt hat, und sie begreift die Konsequenz: die seelische Zerstörung, die es Klara unmöglich macht, wieder ein unbelastetes Leben zu führen."

Die Jury lobte das Werk als "literarisches Meisterstück". Das Buch sei um so erstaunlicher, als die Autorin vier Jahre nach Kriegsende geboren wurde und damit keine Zeitzeugin sei. "Zugleich weist das Buch jedoch über den geschilderten Konflikt weit hinaus und zeigt uns, was ein verantwortliches Gegenwartsbewusstsein vor allem auszeichnet: Toleranz und die Bereitschaft, das eigene Urteilen, Denken und Empfinden als möglicherweise 'begrenztes' zu begreifen", meint die Jury.

Soazig Aaron sei etwas gelungen, so die Jury weiter, was Primo Levi, KZ-Überlebender und überragender literarische Chronist dieser Erfahrungen, einmal sinngemäß so formuliert habe: "Die meisten Berichte über die Lager sind buchhalterisch und literarisch zweifelhaft. Erzähle deine Geschichte deshalb auf höchstem literarischen Niveau, und das heißt nichts anderes als: erzähl sie so, dass sie unseren Verstand und unsere Seele erreicht und wir sie nie mehr vergessen."

"Man kann nicht alles mitfühlend verstehen, aber man kann alles einfühlend beschreiben", schrieb die Süddeutsche Zeitung in einer Rezension. "Wenn das gelingt, entsteht Literatur."

Soazig Aaron, geboren 1949 in Rennes, arbeitete einige Jahre in einer Pariser Buchhandlung und lebt heute in der Bretagne. "Klaras Nein" ist ihr erstes Buch, das seit dem Erscheinen im Jahr 2002 in Frankreich bereits die 7. Auflage erreichte.

Anlässlich der Verleihung des Preises, der seit 1980 von der Landeshauptstadt München und dem bayerischen Landesverband des Börsenverein des Deutschen Buchhandels vergeben wird, fand am Montagabend in der Ludwig-Maximilians-Universität in München eine Feierstunde statt.

Der Geschwister-Scholl-Preis geht jährlich an ein Buch jüngeren Datums, "das von geistiger Unabhängigkeit zeugt und geeignet ist, bürgerliche Freiheit, moralischen, intellektuellen und ästhetischen Mut zu fördern", wie der Landesverband des Börsenvereins mitteilte. Die Auszeichnung ist mit 10 000 Euro dotiert.

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