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Energiekonzern Vattenfall bedroht Vorort von Cottbus

Braunkohle verdrängt Dörfer

Lakoma ist ein kleiner Vorort von Cottbus (Brandenburg), den es bald nicht mehr geben soll. Unter dem Dorf liegt Braunkohle, den der schwedische Energiekonzern Vattenfall Europe Mining AG abbauen will. Insgesamt 500 Hektar umfasst der Braunkohletagebau. Davon ist Lakoma ein kleines Randgebiet. Am Freitag wurde ein weiteres Haus abgerissen: das "Haus Nummer 15", dass Menschen Übernachtungsmöglichkeiten bot. Damit wird probiert, das Dorf auszubluten. "Vattenfall schafft gerne Tatsachen", so der Benno Röthing, der Führungen in das Landschaftsschutzgebiet macht. Erst im Juni 2005 muss das Dorf komplett freigegeben werden. Dann wird Lakoma zu den geräumten Dörfern der insgesamt 78 gehören. Eine kleine Gemeinschaft aus Cottbuser-Künstlern, die zum Teil auch zu dem Verein Lakoma gehören, erhalten das Dorfleben. Sie wollen bleiben und sich weiter für die einzigartige Naturlandschaft Lakomas einsetzen. Die Umgebung der zahlreichen Teiche beherbergen seltene Tierarten. Eine davon ist der seltene Eremitenkäfer, der auf der roten Liste der bedrohten Arten steht und höchsten Schutz bedarf.

Zwischen Schnellstraße und Dorfeingang sind Kreuze aufgestellt, die bereits vernichtete Dörfer dokumentieren und die folgenden. Ein künstlicher Bewässerungsgraben umgibt das Dorf. Einer von vielen, die zu den 21 Fischereitteichen führen. Drei der Teiche sind inzwischen ohne Wasser, denn der Kohleabbau entzieht es dem Schutzgebiet. Zwar müssen bis 2005 die Teiche bewässert werden, doch ob die Teiche danach auch noch Wasserzulauf haben, ist ungewiss.

Der Wasserschwund hat mit dem naheliegenden Kohletagebau zu tun: Um an die 50 Meter tiefe Kohle zu kommen, muss der Grundwasserspiegel gesenkt werden. Indem ständig Wasser abgepumpt wird, entsteht ein Trichter, der auch über die Kohlegebiete hinaus der Umgebung Wasser entzieht. So sind vertrocknete Bäume rund um den Trichter ein herkömmliches Bild.

Gegen die Grundwasserabsenkung des Landschaftsschutzgebietes klagt die Grüne Liga Brandenburg in einem Eilverfahren, um weitere Schädigungen aufzuhalten. Als anerkannter Naturschutzverband hat die Grüne Liga anders als der Verein Lacoma Mitwirkungsrechte und darf vor Gericht ziehen. Geklagt wird gegen den Vattenfall-Konzern, der rechtswidrig durch den Wasserentzug das Schutzgebiet gefährdet. Um das Landschaftsschutzgebiet zu zerstören, bedarf die Vattenfall Europe Mining AG einer Genehmigung des Landes Brandenburgs, die noch nicht durch ist.

Der Vattenfall-Konzern verspricht zwar einen so genannte Ausgleich zu schaffen, doch dies sei ein "wenig geglücktes" Projekt, so der Naturschutzverband Grüne Liga in einem Schreiben. Von einer wirklichen Renaturierung könne dabei keine Rede sein, schon gar nicht von einem angemessenen Ausgleich oder Ersatz für die Lacomaer Teiche. Benno Röthing befürchtet, dass dieser Ausgleich möglicherweise dem Land Brandenburg ausreichen wird und der Kohletagebau mit keinem Stopp zu rechnen habe. Wäre das Landschaftsschutzgebiet ein eingetragenes Naturschutzgebiet würde eine Zerstörung erschwert. "Das Land hat keine Ausweisung als Naturschutzgebiet vorgenommen, weil der Braunkohleabbau dort schon vorgesehen war," so René Schuster, Leiter des Lacoma Vereins.

Ausgleich eines Landschaftsschutzgebietes hieße anderswo ein Gebiet der Natur zu überlassen, in dass eine bestimmte Anzahl der bedrohten Tiere umgesiedelt wird. So kann trotz Landschaftsschutzgebiet der Kohleabbau stattfinden. Im Falle von Lakoma müsste in dem Ausgleichsgebiet auch eine Feuchtwiese angelegt werden. Ob die Tiere in diesem Gebiet wirklich überleben, liegt außerhalb der Verantwortung von Vattenfall.

"Die Klage gegen die Genehmigung Vattenfalls, das Schutzgebiet zu zerstören, trifft auf breite Unterstützung der Bevölkerung", so Schuster. 2000 Menschen haben Einspruch eingelegt und mehr als 85 Eigentümer der Grundstücke im Ausgleichgebiet müssten noch angehört werden, so Schuster. Als letzte Instanz stehe die Europäische Kommission, die dem Wasserentzug und dem anschliendem Braunkohleabbau in Lakoma zustimmen muss.

Vattenfall Verständnis von Umweltschutz ist auf der Internetseite zu finden: "Vattenfall Europe gestaltet aktiv Natur und Landschaft, fördert den spezifischen Artenschutz und bewahrt schutzwürdige Objekte vor Beeinträchtigung oder Zerstörung."

Braunkohle ist neben Erdöl und Steinkohle der Rohstoff, der bei der Verbrennung das meiste Kohlenstoffdioxid (CO2) freisetzt.

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