Langzeitarbeitslose

Kultur-Ministerin lehnt Ein-Euro-Jobs im Kulturbereich ab

Die Bundesregierung beendet die Diskussion, ob Arbeitslose für ein Euro die Stunde alte Schriften digitalisieren sollten. Das meldet der Deutsche Kulturrat und begrüßt die klare Ablehnung dieses Vorschlags durch die Beauftragte der Bundesregierung für Kultur und Medien Christina Weiss (SPD). Sie hatte es als "befremdlich" abgelehnt, dass 20.000 Arbeitslose über zwei Jahre Kulturgut archivieren. Damit sei aber noch nicht geklärt, wie Ein-Euro-Jobs im Kulturbereich eingesetzt werden sollen, sagte der Deutsche Kulturrat. Im Kulturbereich gebe es zunehmend weniger Festeinstellungen und mehr Zeitverträge, so Olaf Zimmermann, Geschäftsführer des Deutschen Kulturrates. Eine Einstellung von Langzeitarbeitslosen im Kulturbereich gefährde die wenigen Arbeitsplätze zusätzlich.

Die Bundesagentur für Arbeit entscheide endgültig über die Einsatzorte der Langzeitarbeitslosen. Doch es sei wenig wahrscheinlich, dass sie sich gegen die Bunderegierung stelle, meint Zimmermann. Grundsätzlich sei der Kulturbereich ein "ideales Feld" für Langzeitarbeitslose. Die Arbeitgeber von Museen und Bibliotheken - Kommunen und Länder - bekämen durch Ein-Euro-Arbeitslose sogar noch Geld dazu. Denn Ein-Euro-Jobber brächten Regiekosten mit in ihre Arbeitsstelle. Die Einarbeitung werde mit 300 Euro pro Monat und Arbeitslosem von der Bundesagentur für Arbeit bezahlt.

Um diesen "massiven Auswirkungen" im Arbeitsmarkt entgegenzuwirken, fordert der Deutsche Kulturrat Kriterien, die den Einsatz von Ein-Euro-Arbeitslosen im Kulturbereich regeln. Zudem seien Langzeitarbeitslose nicht fähig, die Bücher und Skulpturen fachgerecht zu archivieren, wenn sie im Schnellverfahren ausgebildet würden.

Der Berliner Verleger Hans Heinrich hatte die Idee, Kunst in einer Datenbank zu speichern. Bilder und Skulpturen sollten fotografiert, Texte eingescannt werden. Die Ausbildung der Archivierer sollte von qualifizierten Arbeitslosen übernommen werden. Die Bundesagentur für Arbeit sollte das Vorhaben finanzieren. Wie wichtig ein digitalisierte Kulturarchiv sei, zeige das Beispiel Herzogin-Anna-Amalia-Bibliothek in Dresden. Dort waren durch einen Brand viele Bücher und Bilder der Bibliothek zerstört worden.

Der Umfang der Aktion, 20.000 Arbeitslose zu betreuen, überfordere den Verleger Heinrich, sagte Zimmermann vom Kulturrat. Eine solch massive Beschäftigung im Kulturbereich gebe es bisher nicht. Das entspreche der Größe des Autoherstellers VW und sei "nicht durchführbar".

Übernehmen soll das Projekt die Gesellschaft für Digitale Dokumentation. Der Verein sei eigens für dieses Projekt gegründet worden, berichtet die Frankfurter Rundschau. Er verfüge über nur zehn ordentliche Mitglieder. Die Datenbank solle ein befreundetes Unternehmen "Cult-Contor" zur Verfügung stellen. Die Tageszeitung berichtet, dass sich "Cult-Contor" mit dem Berliner Geschäftsmann Heinrich eine Telefonnummer teile.

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