Seveso-II-Richtlinie

Vorsorge vor Chemie-Unfällen soll weiter verstärkt werden

Die Bundesregierung möchte die so genannte Seveso-II-Richtlinie der Europäischen Union umsetzen. Die Richtlinie sieht verschärfte Vorsorgemaßnahmen gegen schwere Chemieindustrie-Unfälle vor. Auf Vorschlag des Bundesumweltministeriums hat das Bundeskabinett am Mittwoch beschlossen, das deutsche Störfallrecht zu ändern. Bisher galt das europäische Störfallrecht nicht für Bergbautätigkeiten und Abfalldeponien. Diese Ausnahme werde nun eingeschränkt, so dass künftig zum Beispiel Bergeteiche wie der, dessen Bruch in Baia Mare zur Verseuchung der Donau mit Cyandid führte, den Anforderungen der Seveso-II-Richtlinie entspreche, teilte das Umweltministerium mit. Aufgrund des Explosionsunglücks mit Feuerwerkskörpern in Enschede würden die Mengenschwellen für bestimmte explosionsgefährliche und pyrotechnische Stoffe gesenkt. Gleichzeitig würden zur besseren Identifizierbarkeit die Definitionen des Gefahrgut-Transportrechts übernommen. Als Folge der Explosion in einer Düngemittelfabrik in Toulouse würden die bisherigen Kategorien für Ammoniumnitrat überarbeitet und ergänzt.

Neben der Störfall-Verordnung soll nach Angaben des Bundesumweltministeriums auch das Bundes-Immissionsschutzgesetz (BImSchG) geändert werden. "Damit werden Schutzobjekte, zum Beispiel wichtige Verkehrswege oder Freizeitgebiete, konkretisiert, zwischen denen und Industriebetrieben ein angemessener Abstand liegen soll."

Hinzu kommt, dass die Beratungsgremien "Störfall-Kommission" (SFK) und "Technischer Ausschuss für Anlagensicherheit" (TAA) künftig zu einer "Kommission für Anlagensicherheit" (KAS) fusionieren sollen. Bundestag und Bundesrat müssen den Änderungen noch zustimmen, teilte das Umweltministerium mit.

Die Seveso-II-Richtlinie gilt nicht für militärische Einrichtungen und durch ionisierende Strahlung entstehende Gefahren. Ausgenommen sind weiterhin die Beförderung gefährlicher Stoffe auf der Straße, der Schiene, dem Wasser- oder Luftweg und die Beförderung gefährlicher Stoffe in Rohrleitungen außerhalb von Betrieben.

Zeige Deinen Kontakten bei Google und Facebook, dass Dir dieser Beitrag gefällt!