Artenschutz

Trophäenjagd auf Grönlands Eisbären

Grönland will zukünftig Eisbären durch Hobbyjäger abschießen lassen. Das meldet die Artenschutzorganisation "Pro Wildlife". Neben einer zunehmenden Gefährdung der Tiere durch Klimaveränderung und Umweltgifte sei die Trophäenjagd ein weiterer Schlag gegen die Eisbären. Die Biologin Daniela Freyer von "Pro Wildlife" führt die Jagd auf die Profitgier zurück: Hobbyjäger gäben zwischen 15.000 und 30.000 Euro für einen selbst geschossenen Eisbären aus. Die Jagd widerspreche internationale Schutzabkommen, die den unkontrollierten Abschuss und Handel unter zu beschränken versuchten. "Jagdreiseveranstalter im Ausland wittern das große Geschäft - doch weder die Eisbären noch die Menschen in der Region werden von der Jagd profitieren", sagt Freyer. Bislang sei in Grönland nur den Ureinwohnern die traditionelle Jagd auf Eisbären erlaubt worden.

In der Arktis lebten noch 20.000 bis 25.000 Eisbären. Diese seien auf 20 Populationen in Kanada, Grönland, Alaska (USA) und Russland verteilt. In Grönland allein gebe es nach groben und völlig veralteten Schätzungen noch 6.000 Tiere in vier verschiedenen Populationen. Diese Zahlen beruhten allerdings nicht auf fundierten Populationsstudien, sondern auf Hochrechnungen von Jägern. "Grönland steht seit Jahren in der Kritik, weil es weder Quoten für die einheimische Jagd noch zuverlässige Kontrollen hat", betont Freyer von der Artenschutzorganisation. "Forscher vermuten, dass Grönlands Eisbärenbestände bereits jetzt durch übermäßige Jagd dezimiert sind."

Die grönländischen Jagdpläne ignorieren die Gefährdung von Eisbären durch Umwelteinflüsse, so Freyer. Eisbären litten besonders unter den Folgen der Klimaveränderung und der Schadstoffbelastung: Sie stehen am Ende der Nahrungskette und sammeln Schwermetalle und toxische Verbindungen wie PCB, Dioxin oder DDT in ihrem Fettgewebe an. Überlebenschance und Fortpflanzung der Tiere seien dadurch gefährdet.

Auch die Klimaerwärmung habe dramatische Folgen: Durch den immer früheren Rückgang der arktischen Eisdecke im Frühjahr würden Eisbären weniger Futter finden. "Jede Woche, die ein Eisbär weniger auf Robbenjagd gehen kann, reduziert sein Körpergewicht um 10 kg", sagt Freyer. "Die Tiere können sich nicht mehr genug Speck anfressen, um die langen Fastenmonate im Sommer unbeschadet zu überstehen und ihre Jungen durchzubringen." Wissenschaftler schätzten, dass die Jagdsaison bereits um drei Wochen verringert sei. Das führe zu einer erhöhten Jungtier-Sterblichkeit.

Seit 1973 gelte ein internationales Schutzabkommen für Eisbären, um die unkontrollierte Jagd zu beenden. Das Washingtoner Artenschutzübereinkommen schränke den internationalen Eisbären-Handel seit 1975 stark ein. Die Länder Russland und Grönland und der U.S. amerikanische Bundesstaat Alaska haben seitdem die Trophäenjagd verboten. Lediglich Kanada - das Land mit dem größten Eisbärbestand - genehmige Hobbyjägern Abschüsse.

Grönland, das zu Dänemark gehört, könne mit Konsequenzen rechnen, so die Artenschutzorganisation. "Die Bestandssituation der grönländischen Eisbären ist mehr als ungewiss." Die Einführung der Trophäenjagd bringe Eisbären der Ausrottung noch ein Stück näher. Die Jagd müsse sofort rückgängig werden, fordert "Pro Wildlife".

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