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Genkartoffeln der TU München vor dem Aus

"Überflüssig wie ein Kropf"

Der umstrittene Feisetzungsversuch mit gentechnisch veränderten Kartoffeln der TU München steht vor dem finanziellen Aus. Dies berichtet das Umweltinstitut München mit Verweis auf das Wissenschaftsmagazin "Science". Professor Helmar Schubert vom Institut für Lebensmittelverfahrenstechnik der Universität Karlsruhe berichtete demnach gegenüber Science, das Bundesforschungsministerium verweigere weitere Zahlungen. Zur Zeit sei kein Geld zu sparen vorhanden, das Projekt zu Ende zu führen, so Schubert. Auch Professor Gerhard Wenzel, der Leiter des Freisetzungsversuchs an der TU München, habe sich bereits im Dezember über die mangelnde Unterstützung seitens der Politik beklagt und das neue Gentechnikgesetz für die Schwierigkeiten verantwortlich gemacht. Die Entwicklung der Genkartoffel war ein Verbundprojekt verschiedener Universitäten und Industrieunternehmen, erklärt das Umweltinstitut Müchen. Doch auch mehrere Lebensmittelproduzenten hätten sich mittlerweile von dem Projekt distanziert.

Die bei dem Freisetzungsversuch verwendeten gentechnisch veränderten Kartoffeln enthalten einen hohen Anteil des Carotinoids Zeaxanthin, erklärt das Umweltinstitut. Dieser Stoff sei dazu gedacht um vor dem Auftreten von Altersblindheit schützen.

Wenzel zufolge war die Grundidee für das Projekt, dass die Kartoffeln in Form von Chips vor dem Fernseher verzehrt werden können, schreibt das Umweltinstitut. Zeaxanthin komme jedoch in ausreichender Menge in zahlreichen Gemüsesorten, besonders in Bohnen, Salat und Mais vor.

Nach Ansicht des Umweltinstitut München ist die Entwicklung einer "Carotinoid-Kartoffel" zudem bereits im Ansatz verfehlt. Es sei nicht sinnvoll, Fehlernährung mit einer Technologie zu bekämpfen, die Ökosystem und Verbraucher unakzeptablen Risiken aussetzt.

Der Gentechnikexperte Andreas Bauer vom Umweltinstitut München begrüßte für das Institut das zu erwartende Ende des Freisetzungsversuchs auf Gut Roggenstein. Zeaxanthin-Kartoffeln seien "überflüssig wie ein Kropf" und in Europa aufgrund der Ablehnung der Verbraucher unverkäuflich. Industrie und Politik hätten offenbar eingesehen, dass es für Genkartoffeln weder einen Markt noch gesellschaftliche Akzeptanz gäbe. Mangelerscheinungen entstünden hierzulande nicht durch Unter-, sondern durch Fehlernährung. "Die TU sollte das Projekt Zeaxanthin-Kartoffel begraben und den Versuch freiwillig einstellen."

Das Projekt "Verbesserung der gesundheitlichen Qualität von Lebensmitteln durch Erhöhung und Modifikation des Carotinoid-Gehalts" wurde vom Bundesforschungsministerium bislang mit zehn Millionen Euro gefördert, schreibt das Umweltinstitut. Es selbst habe bereits 2003 beim Robert-Koch-Institut Einspruch gegen den Freisetzungsversuch der TU München eingelegt. Die Einwendung sei von 3.500 Bürgerinnen und Bürger aus der Region unterstützt worden. Seit 2003 würden die Genkartoffeln auf dem Versuchsgut Roggenstein (Landkreis Fürstenfeldbruck) der TU München angebaut. Der Versuch sei 2003 von Unbekannten zerstört worden.

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