Pressemitteilung des Bundesverbandes Windenergie

Fahrplan für den Ausbau der Windenergie steht

Am 24. Februar 2005 veröffentlichte die Deutsche Energie-Agentur (dena) die Endfassung der Studie "Energiewirtschaftliche Planung für die Netzintegration von Windenergie in Deutschland an Land und Offshore". Die Arbeit wurde auch als "dena-Netzstudie" bekannt. ngo-online dokumentiert eine Pressemitteilung des Bundesverbandes WindEnergie e.V. vom 24. Februar 2005 mit dem Titel "Fahrplan für den Ausbau der Windenergie steht" im Wortlaut.

Die Windenergie-Branche hat gestern Abend "Ja" zur DENA-Netzstudie gesagt. Damit steht der weiteren Integration der Windenergie in das deutsche Stromnetz nichts mehr im Weg. Zusammen mit Netzbetreibern und Bundeswirtschaftsministerium erarbeitete die Windkraft-Branche den Fahrplan für den weiteren Ausbau der Windenergie. "Trotz Meinungsverschiedenheiten und Indiskretionen haben wir die Studie doch noch zu Ende gebracht", resümiert Peter Ahmels, der Präsident des Bundesverbands WindEnergie: "Alle Vorurteile und Horrorszenarien konnten widerlegt werden. Um eine dezentrale Energieversorgung sicherzustellen, müssen die Netzbetreiber das Höchstspannungsnetz um lediglich fünf Prozent erweitern. Die Netzbetreiber könnten hierbei die Verbraucher nur um wenige Hundertstel Cent pro Kilowattstunde belasten."

  • Insgesamt bedarf es 850 km neuen Höchstspannungsnetzes bis 2015. Kosten pro Jahr 110 Millionen Euro. Zum Vergleich: Die Netzbetreiber stecken jedes Jahr zwei Milliarden Euro in ihr 1,6 Millionen km langes Gesamtnetz.
  • Die Netzentgelte können sich wegen des Netzausbaus 2015 allenfalls um 2,5 Hundertstel Cent pro Kilowattstunde erhöhen. Das ist weniger als ein Euro pro Jahr und Haushalt.
  • Bis 2003 forderten die Netzbetreiber, dass sich Windräder bei Kurzschlüssen vom Netz trennen sollten. Dadurch stieg das hypothetische Risiko von größeren Versorgungsunterbrechungen. Neuere Windkraftanlagen jedoch können auch bei Unterspannung am Netz bleiben. Altanlagen werden mit der Zeit nachgerüstet und Phasenschieber (leer laufende Synchrongeneratoren) sichern die Netzstabilität, stellt die DENA-Studie fest.
  • Durch den Ausbau der Windenergie können 2015 herkömmliche Kraftwerke mit einer Leistung von rund 2.000 MW ersetzt werden. Das entspricht drei großen Steinkohle-Blöcken.
  • Es braucht keine zusätzlichen Kraftwerke für die Regelenergiebereitstellung. Die zusätzlich benötigten 5,6 TWh Minuten- und Stundenreserve pro Jahr kann der normale Kraftwerkspark beisteuern. Die Auswirkungen auf den Strompreis betragen 2015 nur sechs bis acht Hundertstel Cent pro kWh, also zwischen zwei und drei Euro pro Jahr und Haushalt.
  • Die Kosten für Netzausbau, Regel- und Reserveenergie betragen so 2015 etwa 0,1 ct/kWh. "Aber", so Ahmels, "die Studie hat auch viele gravierende Mängel, etwa was die Annahmen über künftige Brennstoffpreise oder EEG-Vergütungen anbelangt."
  • Laut Basisszenario der Studie bleiben die realen Preise (gegenüber 2003) bis 2015 für Braun- und Steinkohle konstant und fallen für Erdgas und Erdöl sogar. Deutsche Bank Research, DIW und andere Forschungsinstitute gehen von stark steigenden Brennstoffpreisen für die nächsten Jahre aus. Doch durch das unwahrscheinliche Szenario kommt die Studie zu Kosten für eine weitere Integration der Windenergie von 0,36 – 0,45 ct/kWh. Für den Durchschnittshaushalt mit 3.500 kWh Jahresverbrauch würden das Differenzkosten von 12,6 bis 15,8 Euro pro Jahr bedeuten. Zu hoch gerechnet.
  • Weiterhin setzt die Studie voraus, dass die bisherige Steuerfreiheit von Braun- und Steinkohle gegenüber Erdgas und Erdöl erhalten bleibt.
  • Für Offshore-WEA wurde – entgegen dem gelten EEG – auch nach 2010 eine erhöhte Vergütung angenommen. Für die anderen Erneuerbaren Energien wurden die heute geltenden Vergütungssätze und Degressionen im EEG zu Grunde gelegt. Gerade in den Bereichen Biomasse und Geothermie ist jedoch mit deutlichen Sprüngen nach unten zu rechnen.
  • Die jährliche Inflationsrate wurde mit 1,5 Prozent angesetzt. Bei einer höheren Inflation – die bei einem hohen Ölpreis wahrscheinlich ist – von z.B. zwei Prozent würden die realen Vergütungskosten (die EEG-Sätze sind nominal fixiert) sinken.
  • Laut Studie steigen die CO2-Zertifikatspreise bis 2015 nur auf 12,5 Euro/Tonne. Angesichts des aus Klimaschutzgründen notwendigen CO2-Minderungsziels von minus 40 Prozent bis 2020 erscheint dies wenig realistisch. Diese Annahme mindert den Beitrag der Windenergie zum Klimaschutz. Zudem gehen weitere positive Umwelteffekte von der Windenergie aus.

Ahmels: "Wir haben die Studie trotz vieler Kritikpunkte abgenommen. Eine Fortsetzung ist jedoch unbedingt notwendig." Netzoptimierung und Temperatur-Monitoring etwa wurden bislang nicht berücksichtigt. Teil II der Netzstudie müsste auch klären, wie man einen optimalen Stromtransport in das Landesinnere, die Anbindung an den skandinavischen Strommarkt und Lastflüsse über und in die Nachbarländer organisieren kann. Eine Anpassung der UCTE-Regeln an eine veränderte Stromproduktion wäre ebenso notwendig. Wie bindet man die Windkraft in den Regelenergiemarkt ein? "All diese Fragen", so Ahmels, "sind nach wie vor offen."

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