Polen in Deutschland
Spätaussiedler haben mit viel Bürokratie zu kämpfen
Jährlich dürfen nur 100.000 Aussiedler in Deutschland aufgenommen werden. Diese so genannten Spätaussiedler bekennen sich durch "Sprache, Kultur, Erziehung" zum deutschen "Volkstum", legte die Rot-Grüne Regierung fest. Die Voraussetzungen für eine deutsche Staatsbürgerschaft werden an der Sprache festgemacht: Die Anwerber sollen in der Lage sein, sich "im Alltag zurecht zu finden". Können sie den Deutschtest im Heimatland nicht bestehen, sind sie nicht in der Lage sich zu "integrieren" und werden abgewiesen.
Dass Marek als Pole ein Spätaussiedler ist, ist selten. Heute sind über 90 Prozent der Aussiedler aus der ehemaligen Sowjetunion. Grund ist das "Kriegsfolgebereinigungsgesetz". Seit 1993 dürfen nur noch Aussiedler einreisen, die durch ihre "deutsche Volkskultur" in ihrem Land benachteiligt sind. "Mit dieser gesetzlichen Änderung ist es absehbar geworden, dass es in ferner Zukunft weder Vertriebene noch Aussiedler geben wird", sagt die Sozialpädagogin Renate Goldbach. Bei den Russland-Deutschen geht das Bundesverwaltungsamt von einer Benachteiligung aus. Für Polen gilt das nicht. Marek ist Aussiedler, weil seine Eltern den Antrag vor 1993 stellten.
Mareks Eltern bantragten die Aussiedlung zunächst in einem deutschen Konsulat in Polen. Von Polen werden alle Unterlagen an das Bundesverwaltungsamt in Köln geschickt. Dort wird der Antrag von "zwei Angestellten und einen Haufen Praktikanten" geprüft, sagt Marek. Sie stimmten zu: Marek erhält seinen "Aufnahmebescheid", der ihn berechtigt nach Deutschland einzureisen. Später wird das Gleiche noch mal geprüft. In Friedland.
Nach Friedland kommt jeder der Aussiedler zuerst. In dem ehemaligen "Grenzauffanglager" in Niedersachsen an der Grenze zu Thüringen und Hessen werden die Aussiedler registriert und auf die einzelnen Bundesländer verteilt. Es gibt begrenzte Plätze in den begehrten Ländern wie Bayern oder Nordrhein-Westfalen. In die neuen Bundesländer wollen "die wenigsten" Spätaussiedler, heißt es in dem Migrationsbericht 2004. Denn mit der Staatsbürgerschaft ist Marek brechtigt, Arbeit zu finden - ohne Arbeitserlaubnis. Die gebe es nicht in der ehemaligen DDR. Das wüssten auch die Aussiedler. Das habe sich rumgesprochen, sagt Marek.
Er hat Glück nach Berlin geschickt zu werden: Das war sein Wunsch. Und dort waren noch Plätze frei. Wäre Marek nicht der Zuteilung der Behörden gefolgt, wären ihm staatliche Gelder verweigert worden, wie Sozialhilfe und Wohngeld. Auf die staatlichen Gelder seien die Aussiedler "für ihr Leben in der neuen Heimat zumindest angewiesen", außerdem "steigen ihre Chancen auf eine eigene Wohnung und auf einen Arbeitsplatz erheblich", wenn sie den Anweisugen der Behörden folgen, "rät" das Bundesverwaltungsamt im Internet den Aussiedlern.
Als Marek registriert und mehrmals überprüft endlich in Berlin ankommt, wohnt er in dem Notauffanglager Marienfelde, dass einst DDR-Flüchtlinge aus Ost-Berlin aufnahm. Dort trifft er auf "ausschließlich Russen", deren Kinder vom Lager aus zur Schule gingen, erzählt er. Er will nicht dort wohnen bleiben und sucht sich ein billiges WG-Zimmer in Friedrichshain. Dann, sagt er, ist er zurück nach Polen gefahren, um sich "von den bürokratischen Kafka-Erlebnissen" in Deutschland zu erholen.
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