Nahrungsmittel

Nicht zugelassener Süßmais mit Antibiotika-Resistenzgen außer Kontrolle

30. Mär. 2005

Nach Darstellung des Umweltinstituts München hat der Gentechnikkonzern "Syngenta" in den letzten vier Jahren "versehentlich" rund 187.000 Tonnen Genmais illegal in die Nahrungskette gebracht. Der Genmais mit der Bezeichnung "Bt10" enthalte Resistenzgene gegen ein Antibiotikum, das in der Behandlung von Menschen weit verbreitet sei. Der Mais sei zudem kein Futtermais für Tiere sondern ein Süßmaiss, der explizit für den menschlichen Verzehr gedacht ist. Syngenta habe auch über die Menge der in den Handel gelangten Menge an Saatgut falsche Angaben gemacht, schreibt das Umweltinstitut. Zuerst sei nur von einigen hundert Tonnen die Rede gewesen. Das Unternehmen habe sich zunächst auch nicht dazu äußern wollen, in welche Länder der Mais exportiert worden sei. Inzwischen habe es jedoch zugegeben, dass auch in die EU geliefert worden sei. Die Maislinie "Bt10" sei in keinem Land der Welt für den menschlichen Verzehr zugelassen, unterstrich das Umweltinstitut. Andreas Bauer, Gentechnikexperte beim Umweltinstitut München betonte, dass US-Behörden und Syngenta seit Monaten von der Kontamination wussten, ohne die Öffentlichkeit zu informieren. Er sprach von einem "Vertuschungsskandal ersten Ranges". Alle Maisimporte aus den USA müssten umgehend gestoppt und alle Produkte, in denen der Mais gefunden werde, müssten aus dem Verkehr gezogen werden.

Die "Verwechslung der Genkonstrukte" sei dem Konzern über mindestens vier Jahre hinweg bereits bei der Saatgutvermehrung unterlaufen, schreibt das Institut. Das Saatgut sei an US-Landwirte verkauft worden.

Der Genmais "Bt10" enthält nach Darstellung des Münchener Umweltinstituts Resistenzgene gegen das Antibiotikum Ampicillin, das in der Humanmedizin weit verbreitet sei. Der Verzehr von Produkten, die Anitbiotikaresistenzgene enthalten, könne demnach dazu führen, dass die entsprechenden Antibiotika nicht mehr wirken.

Die Regierungen der bisher betroffenen 12 Länder hätten "wegen der von Syngenta vorgegaukelten Ungefährlichkeit von Bt10" auf Maßnahmen zum Schutz der Bevölkerung verzichtet. Die europäische Lebensmittelsicherheitsbehörde EFSA empfehle, diese Resistenzgene nur noch im Rahmen von Freisetzungsversuchen zu erlauben, nicht jedoch bei kommerziell angebauten genmanipulierten Pflanzen. "Bt10" wäre daher in der EU nie zugelassen worden, schreibt das Institut.

Nach Auffassung von Andreas Bauer vom Umweltinstitut München haben Antibiotikaresistenzgene "nichts in der Nahrung verloren". Die europäischen, aber auch die deutschen Behörden seien nun in der Pflicht, umgehend zu handeln.

Der Skandal werfe gravierende Fragen über die Möglichkeit auf, gentechnisch veränderte Pflanzen unter Kontrolle zu halten. "Die Regierungen Europas müssen daher das Anbau-Moratorium wieder in Kraft setzen", fordert Bauer. Sie sollten sich zudem "überlegen, ob die vollmundig gepriesene Koexistenz nicht reine Augenwischerei ist."

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