Reaktorsicherheit

Pannenserie im Atomkraftwerk Fessenheim

Nach Ansicht des Bund für Umwelt und Naturschutz Oberrhein ist der derzeitige Zustand "des alternden Atomkraftwerks Fessenheim" mehr als problematisch, "da sich die Pannenserie des letzten Jahres 2005 verstärkt fortsetzt". Auf der Website des Atomkraftwerksbetreibers EDF stehe jetzt verharmlosend, der "letzte" Störfall vor Ostern - ein Rohrbruch - habe durch die Schließung eines Absperrhahnes behoben werden können. Die Reparatur der Röhre sei im Gange. Dies erscheint dem BUND "verkürzend und verharmlosend".

Nach Augenzeugenberichten von Anwohnern soll seit dem 23. März mehrfach und lange "eine große Dampfwolke" über dem Reaktor gestanden haben. "Vermutlich eine Folge der Schnellabschaltung", spekuliert der Umweltverband. Der Rohrbruch und "die Tatsache dass drei Feuerwehrzüge (u.a. aus Mulhouse) nach Fessenheim gerufen wurden", spreche nicht für die Qualität der Aussagen von EDF.

BUND: "Objektive Infos von neutraler Seite gibt es nicht"

Anwohner, Behörden, BUND und Medien hätten das stets gleiche Problem, "auf die einseitigen, verharmlosenden Interpretationen der Betreiber angewiesen zu sein". Diese hätten die Definitionsmacht, zumindest über die beherrschbaren Störfälle. Objektive Infos von neutraler Seite gebe es nicht. Und der vorösterliche Störfall sei nur Teil einer Serie.

Nach einem Bericht des "Saar Echos" vom 3. März hat sich "zum dritten Mal innerhalb eines Monats" in Fessenheim am Oberrhein ein Störfall ereignet. "Wie die Kraftwerksleitung am Donnerstag mitteilte, schloss ein Arbeiter versehentlich im Reaktorgebäude von Block 2 einen Schalter an einem Luftkreislauf. Dadurch seien Informationen über den Druck in dem Kreislauf verloren gegangen".

Bereits vor einer Woche habe ein Techniker im gleichen Reaktorblock beim Austausch von Brennstäben versehentlich einen Isolierungsschalter an einem Luftkreislauf geöffnet. Zuvor sei am 8. Februar in einer Leitung mit Bor eine um zwei Grad zu niedrige Temperatur festgestellt worden. "Das Bor dient dazu, Neutronen zu absorbieren und so die Kettenreaktion zu verlangsamen oder anzuhalten. Dazu muss es eine ganz bestimmte Temperatur haben. Diese beiden Vorfälle wurden auf der Störfallskala mit eins eingestuft."

Seit dieser Meldung vom 3. März haben sich nach Angaben aus der Kontrollkomission des Atomkraftwerks insgesamt mindestens drei weitere bekannt gegebene Störfälle ereignet. So sei durch einen Bedienungsfehler die Sprinkleranlage ausgelöst worden. Sie habe allerdings nicht funktioniert und "hätte im Falle eines Brandes also auch nicht funktioniert", moniert der BUND.

Der Umweltverband ruft zum Protest gegen den Weiterbetrieb des Atomkraftwerks auf. Am Samstag den 23. April 2005 finde die diesjährige "Tour de Fessenheim" statt, eine Protestaktion gegen die Gefahren der Atomenergie und ein erster Auftakt zu den Großveranstaltungen im Jahr 2006. - 2006 jährt sich zum zwanzigsten Mal die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl.

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