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Rohstoff-Reichtum nur selten ein Wachstumsmotor

"Eher Fluch als Segen"

Reichtum an Öl und anderen Rohstoffen bringt den Förderländern häufig weder Wohlstand, noch ein besonderes Wirtschaftswachstum, sondern schadet eher. Das berichtet Institut der deutschen Wirtschaft Köln (IW) in seiner Zeitschrift IW-Trends. "Für viele ölexportierende Länder hat sich das schwarze Gold eher als Fluch denn als Segen erwiesen", fassen die Wissenschaftler zusammen. Vielerorts blühe die Korruption. Investitionen in Bildung und Infrastruktur würden vernachlässigt während und die Ausgaben fürs Militär explodierten.

Seit 1988 hätten die Staaten der Organisation Erdölexportierender Staaten (OPEC) im Schnitt 18 Prozent ihrer Staatsausgaben oder rund sechs Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) für das Militär ausgegeben. Der Schnitt der anderen Entwicklungs-, Schwellen- und Transformationsländern habe dagegen 2,9 Prozent betragen. Der Anteil der Forschungs- und Entwicklungsausgaben am Bruttoinlandsprodukt habe dagegen in den rohstoffreichen Ländern im Schnitt der Jahre 1988 bis 2001 nur 0,2 Prozent betragen - deutlich weniger als in allen Entwicklungsländern (0,6 Prozent) oder im weltweiten Durchschnitt (0,9 Prozent).

Trotz der zuletzt stark gestiegenen Rohölpreise habe der Energieträger in den vergangenen Jahren auch nur in wenigen Förderländern die Wirtschaft angekurbelt. Zwar habe das Bruttoinlandsprodukt (BIP) in Oman zwischen 1980 und 2002 jährlich im Schnitt um 6,4 Prozent zugelegt, in Indonesien um 4,8 Prozent und in Norwegen um 3,1 Prozent. In Libyen dagegen sei das BIP im gleichen Zeitraum Jahr für Jahr um 0,8 Prozent geschrumpft, in Kuwait um 0,7 Prozent.

Zu wirklichem Wohlstand haben es nur wenige Ölförderländer gebracht. Während Norwegen 2002 ein kaufkraftbereinigtes Pro-Kopf-Einkommen von 37.857 Dollar erzielte, überschritten in der OPEC lediglich zwei Länder die 20.000-Dollar-Grenze - Katar und die Vereinigten Arabischen Emirate. Nigeria und Sambia erreichten nicht einmal ein Pro-Kopf-BIP von 1.000 Dollar.

Die Gründe dafür, dass viele Länder trotz des Ölreichtums keine große Wirtschaftskraft aufweisen, seien vielfältig, so das IW. So gewinne die heimische Währung eines Landes durch hohe Erlöse für exportierte Bodenschätze tendenziell an Wert, was alle Ausfuhren verteuere. Zudem würden die Einnahmen aus dem Rohstoffexport zu wenig für zukunftsorientierte Investitionen verwendet. So seien die Ausgaben für weiterführende Schulen und Universitäten bei den OPEC-Staaten und den anderen rohstoffreichen Ländern gemessen am Pro-Kopf-BIP nur halb so hoch wie der weltweite Durchschnitt.

Das IW lobte das Norwegische Modell. Dort werden die Erlöse der staatlich kontrollierten Fördergesellschaften in ausländischen Wertpapieren angelegt. Der Erdöl-Fonds ist mittlerweile rund 130 Milliarden Euro wert - eine Menge Rücklagen für die Zeit nach dem Ende des Öls.

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