Kraftwerksbauer gegen Atomstrom
Wird Mannheim Opfer der Globalisierung?
Die Alstom-Belegschaft befürchtet, dass sich die Giganten Siemens, Areva und Alstom den globalen Energie- und Verkehrsmarkt aufteilen. Es könnte eine Unternehmenskonstruktion mit kreuzweiser Beteiligung entstehen, in der die französische Areva den Atomkraftwerksbau federführend übernimmt, Siemens den Bau fossiler Kraftwerke und Alstom die Verkehrstechnik mit den Hochgeschwindigkeitszügen TGV und ICE, erläuterte der stellvertretende Betriebsratsvorsitzende Ralf Eschmann.
Siemens ist schon jetzt mit Areva verbandelt. Beiden Konzernen gehört der weltweit führende Atomkraftwerkshersteller Framatome ANP. Das Unternehmen baut in Finnland ein neues Atomkraftwerk vom Typ "Europäischer Druckwasser-Reaktor" (EPR). Sollten in Frankreich mehrere neue Atomkraftwerke in Auftrag gegeben werden, dann wäre das ein Milliardengeschäft, meint der Alstom-Betriebsrat.
Bei Alstom im Mannheim werden schon lange keine Atomkraftwerke mehr gebaut, sondern vielmehr fossile Kraftwerke und Wasserkraftwerke. Die konventionelle Kraftwerkssparte von Siemens ist der direkte Konkurrent. Wenn nun Siemens einen Deal mit dem französischen Mutterkonzern Alstom macht, dann könnte die Produktion in Mannheim unter die Räder kommen. "Siemens braucht das Mannheimer Werk nicht", so der Betriebsrat.
Nach Informationen des Europäischen Betriebsrates sollen in Mannheim zunächst vier Abteilungen geschlossen werden. Dies betrifft den Bau und die Konstruktion von Generatoren, die Beschichtung von Gasturbinen und den Bau von Wasserkraftwerken. Die "Wertschöpfung" solle aus Europa nach China, Indien und Mexiko verlegt werden - Globalisierung pur. Mit der Schließung dieser Abteilungen würde das Werk nach Auffassung des Betriebsrats die Fähigkeit verlieren, komplette Kraftwerke anbieten zu können. Das wäre der Anfang vom Ende.
Die Vertretung der Beschäftigten hat eigenen Angaben zufolge dem Vorstand mehrere Alternativen zum jetzt geplanten Stellenabbau und der Schließung ganzer Abteilungen unterbreitet. In Polen sei beispielsweise eine Generatorenfabrik von Alstom völlig überlastet. Man könnte also einen Teil der Aufträge nach Mannheim verlegen, meint der Betriebsrat. Und mit der vereinbarten, unbezahlten Kurzarbeit könnte man die Flaute auf dem Kraftwerksmarkt überwintern, bis wieder neue Kraftwerke in Auftrag gegeben werden würden. Zu weiteren Zugeständnissen sind die Beschäftigten aber nicht bereit.
Betriebsratsmitglied Elisabeth Möller betont, man wolle keine billige Propaganda machen. Der Betriebsrat würde "mit Fakten und Argumenten seine Sache vertreten." Aber der Vorstand würde jegliche Gespräche vermeiden. Der Vorstand hätte am Donnerstag einfach schon um 11 Uhr die Betriebsversammlung verlassen und würde konkrete Fragen nicht beantworten.
Auf den Betriebsversammlungen hätten die Mitarbeiter dem Vorstand eindrucksvoll dargelegt, wie gut sie arbeiten würden und dass die meisten Bereiche keine roten Zahlen schreiben würden. "Die Menschen haben Sorgen und Ängste von sich gegeben", so Möller. "Ein Vater mit drei Kindern hatte Tränen in den Augen." Die Leute seien verunsichert und wüßten nicht mehr, wie sie die laufenden Geschäfte abwickeln sollen. Sie würden sich fragen, ob es den Betrieb morgen noch gäbe.
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