Vogelzug & Klimawandel
Rückgang arktischer Zugvögel im Wattenmeer
"So paradox es klingen mag, können wärmere und längere arktische Sommer zum Rückgang typischer Vogelarten führen." So hätten Ringelgänse praktisch nur in Jahren mit Massenvermehrungen der Lemminge Nachwuchs, da dann Polarfüchse oder Schneeeulen nicht auf Eier und Jungvögel angewiesen seien. "Doch dort, wo der Schnee die Lemminge nicht mehr bis in den Juni hinein vor Feinden schützt, fehlen jetzt augenscheinlich die typischen Massenvermehrungen der kleinen Nager", so Schulz. "Und hierdurch fehlen den Gänsen die guten Brutjahre."
Klimamodelle zeigten, dass darüber hinaus vielen arktischen Vogelarten in den nächsten Jahrzehnten "der Lebensraum zuwächst", denn mit der Erwärmung der Arktis dränge von Süden her der Wald in viele heute noch baumlose Tundragebiete.
Andere Arten scheinen auf ihren Zugwegen in Bedrängnis zu kommen. So fände der Knutt heute im Wattenmeer weniger Muscheln als früher. "Wenn man jedoch darauf angewiesen ist, in 20 Tagen das Körpergewicht fast zu verdoppeln, um genügend Fettreserven für den Non-Stop-Flug in die Arktis zu haben, zählt jedes Gramm an Nahrung", erläuterte Zugvogel-Experte Schulz.
Der Mai ist nach Angaben der Schutzstation die beste Zeit zur Beobachtung der Zugvögel im Wattenmeer. "Vegetarier wie die arktischen Ringelgänse äsen in den Salzwiesen. Watvögel wie der Knutt pendeln im Rhythmus der Gezeiten zwischen den nahrungsreichen Wattflächen und hochgelegenen Rastplätzen. Zugleich sind mit Seeschwalben, Säbelschnäblern oder Regenpfeifern auch zahlreiche heimische Brutvögel zu beobachten."
In dem Seminar vom 19. bis 22. Mai könne "die faszinierende Welt des Vogelzugs erkundet werden. "Von der Fahrradtour über Wattwanderungen bis zu einer virtuellen Reise in die Arktis." Darüber hinaus sollen aktuelle Forschungsprojekte vorgestellt werden, "die erkennen lassen, wie Zugvögel schon heute sehr sensibel auf die Folgen des Klimawandels reagieren".
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