Erneute Korruptionsvorwürfe
Kritiker von Pharmaindustrie und Apothekern tritt unter Druck zurück
Zuvor hatte Lauterbach vor allem die Apotheker kritisiert, weil sie die Rabatte kassierten, ohne diese an Kassen oder Beitragszahler weiterzugeben. So entstünde dem Gesundheitssystem ein Schaden von bis zu drei Milliarden Euro jährlich.
Möglich werde diese Praxis, weil Ärzte oftmals kein bestimmtes Präparat verschreiben, sondern auf dem Rezept nur den gewünschten Wirkstoff nennen. Das sieht die Gesundheitsreform vor, damit die Ärzte keine teuren Originalmedikamente verschreiben, sondern billige Nachahmerprodukte, so genannte Generika. Per Gesetz sind die Apotheker sogar gehalten, die kostengünstigsten Mittel an die Patienten abzugeben.
Je mehr Packungen die Apotheken von den betreffenden Pharma-Konzernen abnähmen, desto höher falle der Rabatt in Form von Gratis-Packungen aus. Dadurch gerieten preiswertere Generika ins Hintertreffen. Den Schaden durch künstlich hohe Preise bezifferte Kraus allein für die Krankenkassen auf mehrere hundert Millionen Euro im Jahr.
Das Bundesgesundheitsministerium hatte diese Darstellung als "nicht nachvollziehbar" bezeichnet.
Unterstützung in der Sache erhielt Lauterbach vom Bremer Gesundheitsökonom Gerd Glaeske. "Würde man diese Praktiken unterbinden, ließen sich zwei, drei Milliarden Euro und damit bis zu 0,3 Beitragssatzpunkte einsparen", sagte Glaeske der "Rheinischen Post". Er kritisierte, dass die Krankenkassen aktuell für Arzneimittelpackungen zahlten, die "der Apotheker umsonst bekommen hat".
Kennen die Krankenkassen die behauptete Korruptionspraxis?
Der Gesundheitsexperte der Verbraucherzentrale Bundesverband (VZBV), Stefan Etgeton, sagte der "Berliner Zeitung", die Rabatte seien Kassen und Verbraucherschützern ein "altbekanntes Ärgernis". Zum Teil würden Naturalrabatte für Generika im Verhältnis eins zu eins oder sogar eins zu zwei eingeräumt. Das bedeute, dass der Apotheker die Präparate für die Hälfte des Preises oder gar für ein Drittel geliefert bekomme.
Von einigen Pharmazeuten sei überdies ein laxer Umgang mit Rezepten bekannt, hob Etgeton hervor. "Selbst wenn der Arzt ein bestimmtes Präparat verordnet, gibt der Apotheker ein anderes heraus". Dies sei "wirklich kriminell", betonte er. Mitunter komme es vor, dass verschiedene Generika zwar grundsätzlich die gleichen Wirkstoffe enthalten, in einige davon aber auch Zusatz- oder Trägerstoffe stecken könnten, die eventuell nicht alle Patienten vertragen.
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Am 22. Jul. 2005 unter:
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