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Kritik an geplantem Braunkohlekraftwerk des Energieriesen RWE

Neues Braunkohle-Kraftwerk

Die Umweltschutzorganisation Greenpeace protestierte am Donnerstag in Essen gegen den vom Energiekonzern RWE geplanten Bau von zwei neuen Braunkohle-Kraftwerksblöcken in Neurath bei Neuss. Schon heute sei RWE in Deutschland der größte Betreiber von Braunkohle-Kraftwerken. In Europa sei der Energieriese für 15 Prozent der Kohlendioxid-Emissionen aus der Stromproduktion verantwortlich und mit jährlich 168 Millionen Tonnen Kohlendioxid größter Produzent von Treibhausgasen. Das neue Braunkohle-Kraftwerk in Neurath würde nach Angaben von Greenpeace zusätzlich 14 Millionen Tonnen Kohlendioxid jährlich in die Luft blasen. Die offiziellen Klimaschutzziele Deutschlands wären dann nicht mehr einhaltbar, meint die Organisation.

Die elektrische Bruttoleistung der beiden neuen Kraftwerks-Blöcke in Neurath soll jeweils 1.100 Megawatt betragen. Der elektrische Nettowirkungsgrad, maßgebend für den Grad der Brennstoffausnutzung, wird von RWE mit rund 43 Prozent angegeben. Die jährlich erzeugte Strommenge würde laut RWE ausreichen, um den Bedarf von 10 Millionen Einwohnern zu decken. Das geplante Investitionsvolumen betrage rund 2,2 Milliarden Euro und wäre damit die größte Einzelinvestition in Nordrhein-Westfalen.

"RWE will offenbar Europas Klimakiller Nr. 1 bleiben", kommentierte Greenpeace-Aktivistin Gabriela von Goerne am Donnerstag. Neue Braunkohle-Kraftwerke seien "eine Kriegserklärung" an den Klimaschutz. "Die zwei Milliarden Euro für Neurath wären besser in Erdwaerme, Wind oder Biomasse investiert. Das schont das Klima, schafft mehr Arbeitsplaetze und ist günstiger für die Aktionäre."

"Auch wirtschaftlich - und damit aus Sicht der Aktionäre - ist der Bau von Braunkohle-Kraftwerken fragwürdig", so Greenpeace ganz im Stil einer Unternehmensberatung. Denn im Rahmen des Emissionshandels könnten Unternehmen, die den Ausstoß von Kohlendioxid verringerten, Emissionsrechte verkaufen und dadurch ihre Gewinne steigern.

RWE vergleicht die Kohlendioxidemissionen des Braunkohlekraftwerks weniger mit dem von alternativen Technologien wie Erdwärme, Wind, Biomasse oder Gaskraftwerken, sondern hebt vielmehr den Vergleich mit alten Braunkohlekraftwerken hervor. Im Rahmen des Genehmigungsverfahrens hob das Unternehmen darauf ab, "dass durch die Inbetriebnahme der Doppelblockanlage in Neurath eine spezifische Kohlendioxid-Minderung von rund 30 Prozent im Vergleich zu Altanlagen erreicht werden könne". Dies belege den "deutlichen Technologiesprung" durch die geplante Kraftwerksanlage.

Greenpeace hingegen kritisiert den Energieträger Braunkohle als solchen. Braunkohle sei der Energieträger, der die meisten Treibhausgase pro erzeugter Kilowattstunde Strom freisetze. Ein Gas- und Dampfkraftwerk gleicher Leistung stoße weniger als die Hälfte an Kohlendioxid aus. "Würde RWE statt in Braunkohle in ein solches Gas- und Dampfkraftwerk investieren, könnte der Konzern vier Jahre lang mehr als 300 Millionen Euro Gewinne jährlich durch Emissionsgutschriften erzielen", behauptet Greenpeace.

Bis 2050 müssten Industrieländer den Ausstoß von Treibhausgasen um 80 Prozent senken, um den Klimawandel aufzuhalten, so Greenpeace. Für den Fall, dass der Ausstoß von Treibhausgasen weiter gehe wie bisher, dann beziffere das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) die Klimaschäden in Deutschland bis 2050 auf 800 Milliarden US-Dollar (650 Milliarden Euro).

Versicherungen würden diese Kosten nicht übernehmen, so Greenpeace. Die Münchner Rück etwa ziehe sogar in Erwägung, mit klimaschädigenden Unternehmen keine Versicherungsverträge mehr abzuschließen.

"RWE sollte sich nicht einbilden, dass der Steuerzahler immer für die Schäden von Überschwemmungen, Hitzewellen, Dürren und Stürmen aufkommen wird. Es ist nur eine Frage der Zeit, bis die Politik die Verursacher der Klimaschäden zur Kasse bittet", so von Goerne.

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