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Umweltschützer beklagen illegale Tropenholz-Importe

"Stiller Pakt mit der Holzmafia"

Nach Angaben der Umweltstiftung WWF soll die EU im Jahr 2003 illegales Holz im Wert von 2,6 Milliarden Euro aus Asien importiert haben. Dies ergebe sich aus den Außenhandelsdaten der EU. Deutschland kaufe nach der WWF-Studie "Heiße Ware Tropenholz" beispielsweise jährlich allein aus Indonesien illegales Holz im Wert von 150 Millionen Euro. Der volkswirtschaftliche Schaden dieser Form der "geduldeten organisierten Kriminalität" sei enorm, hieß es seitens des WWF. Der illegale Handel drücke den Holzpreis weltweit um bis zu 16 Prozent und schädige so nicht nur den Wald, sondern auch nachhaltig wirtschaftende Waldbesitzer und Holzunternehmen. Auch Greenpeace wandte sich erneut gegen den Import von Tropenholz.

Aktivisten der Organisation protestierten am Donnerstag am Gebäude der Bundestagsverwaltung in Berlin. Dort sollen nach Angaben der Umweltschutzorganisation 500 Fenster aus Tropenholz eingebaut werden. Es sei bei der Sorte davon auszugehen, dass das Holz aus illegalem Urwald-Raubbau stamme, da es kein glaubwürdiges Zertifikat trage. Beide Umweltorganisationen warnten zugleich davor, den letzten freilebenden Orang-Utans noch weiteren Lebensraum zu entziehen.

"Stiller Pakt mit der Holzmafia"

"Politik und Wirtschaft haben den stillen Pakt mit der Holzmafia noch immer nicht aufgekündigt", mein Nina Griesshammer vom WWF. Indonesien sei mit einem Marktanteil von 23 Prozent neben Brasilien das wichtigste Herkunftsland für Direktimporte von Tropenhölzern nach Deutschland. Zusätzlich gelangten größere Mengen indonesischen Holzes über Transitländer wie China, Malaysia oder Italien auf den deutschen Markt. Dabei kämen drei Viertel der aus Indonesien exportierten Hölzer und Holzprodukte aus illegalen Quellen.

"Entscheidender Anteil an der Zerstörung der Regenwälder"

Das Geschäft mit dem illegalen Holz trägt nach Ansicht des WWF entscheidenden Anteil an der Zerstörung der Regenwälder. Auf der indonesischen Insel Borneo drohten die artenreichen Tieflandregenwälder, Heimat der letzten Orang-Utans, bis 2012 zu verschwinden. Die Menschen in den betroffenen Gebieten litten nicht nur unter dem Verlust ihrer natürlichen Ressourcen, sondern würden auch "von der Holzmafia" als billige Arbeitskräfte ausgebeutet. Grieshammer sagte: "Der Orang-Utan-Wald steckt bei uns in Gartenmöbeln, Parkett, Bilderrahmen, Sperrholz, Zellstoff und Papier."

"Große Koalition" gegen Menschenaffen

Während der WWF am Donnerstag seine Studie vorstellte, kletterten Greenpeace-Aktivisten auf das Gebäude der Bundestagsverwaltung in Berlin. Auf einem Transparent vor dem Gebäude war dann das Bild eines Orang-Utans zu sehen. Die Anklage in großen Lettern: "Große Koalition für Urwaldzerstörung. SPD, CDU, FDP und Bündnis 90/Die Grünen. Ihr zerstört meine Heimat."

Der Verlust seines Lebensraumes sei die Ursache dafür, dass es immer weniger seiner Art gebe. Nach Angaben des WWF haben die asiatischen Menschaffen bereits 80 Prozent ihres ursprünglichen Lebensraumes verloren. Heutzutage gebe es noch 55.000 Tiere. Das sei ein Drittel der Population die es Anfang der neunziger Jahre gegeben hatte, vermutet die Umweltstiftung.

"Das kann keiner ernst nehmen"

"Alle Parteien wollen den Urwald schützen", so Sandra Pfotenhauer von Greenpeace. "Aber das kann keiner ernst nehmen, wenn darauf nicht mal beim Einbau von Fenstern im Bundestag geachtet wird." Im Mai 2004 habe der Bundestag auf eine von Greenpeace eingereichte Petition geantwortet und sich für den Erhalt der Urwälder ausgesprochen.

Die Politiker forderten zwar den Schutz der Urwälder, aber in der Ausschreibung für das Verwaltungsgebäude seien ausdrücklich Fenster aus "Meranti"-Holz verlangt worden. Bei diesem Holz sei davon auszugehen, dass es aus illegalen Quellen stamme, solange es kein glaubwürdiges Zertifikat trage. Das passt für Greenpeace "nicht zusammen. Die Politiker in Deutschland müssen nicht nur mit Worten, sondern auch mit Taten dazu beitragen, dass die Urwälder nicht wie bisher abgeholzt werden und Orang-Utans nicht in zehn bis 20 Jahren ausgestorben sind."

Handel mit illegalem Holz trotzdem nicht verboten

Greenpeace forderte Bundestags-Präsident Wolfgang Thierse auf, den Einbau der Fenster zu stoppen und sie durch Produkte mit dem FSC-Siegel ersetzen zu lassen. Das "Forest Stewardship Council-Siegel wird von vielen Umweltschutzorganisationen als einziges internationales Siegel anerkannt, das ihrer Ansicht nach "eine ökologisch und sozial gerechte Bewirtschaftung der Wälder garantiert".

In Deutschland sei der Import und Handel mit Holz aus illegalen Quellen und Urwaldzerstörung bislang nicht verboten, moniert Greenpeace. "Solange Deutschland und die EU den Import von illegal eingeschlagenem Holz billigend in Kauf nehmen, tragen sie eine direkte Verantwortung für die Vernichtung der Regenwälder und unterstützen ein kriminelles System, das Mensch und Natur ausbeutet", kritisiert auch der WWF mit ungewohnt deutlichen Worten.

Urwaldschutzgesetz gefordert

Beide Umweltschutzorganisationen bedauerten, dass der Entwurf für ein Urwaldschutzgesetz bis jetzt "in den Schubladen der rot-grünen Ministerien stecken geblieben" sei. Greenpeace erklärte, die nächste Regierung müsse das Gesetz dringend verabschieden und eine Beschaffungspolitik auf den Weg bringen, die eine Verwendung von Holz aus ökologischer Waldnutzung vorschreibt.

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