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Bayer-Kritiker sehen Stadt Leverkusen in Abhängigkeit vom Chemiekonzern

Jubiläumsfeier

Anlässlich der Leverkusener Jubiläumsfeier am Sonntag kritisiert die "Coordination gegen Bayer-Gefahren" eine "andauernde Abhängigkeit der Stadt vom Bayer-Konzern". Leverkusen gehöre wie Wolfsburg zu den Städten, die auf Initiative eines Konzerns hin gegründet wurden und die sich jahrzehntelang "in einem totalen Abhängigkeitsverhältnis" befanden. "Der übermäßige Einfluss eines Unternehmens auf ein Gemeinwesen ist undemokratisch", meint Bayer-Kritiker Philipp Mimkes. Es werde Zeit, dass sich die Stadt aus der Umklammerung des Chemie- und Pharmakonzerns löse.

Die Bayer-Fabrik in Wiesdorf, heute Stadtteil von Leverkusen, wurde Ende des 19. Jahrhunderts gebaut. Die Standort-Entscheidung fiel nach Darstellung der Coordination gegen BAYER-Gefahren

"in erster Linie wegen der Möglichkeit, dort ungehindert Schadstoffe in Luft und Wasser zu emittieren" Am alten Werksstandort in Wuppertal sei es zuvor zu Protesten gegen die anhaltende Verschmutzung gekommen.

Für Wiesdorf hätten sich aus der raschen Expansion des Werkes zahlreiche Probleme ergeben: die Ausgaben für kommunale Einrichtungen wie Schulen und Verwaltungsgebäude hätten die Schulden der Gemeinde in die Höhe getrieben. Der Zugang zum Rhein sei über mehrere Kilometer vom Werksgelände versperrt worden. Und die Infrastruktur sei vollständig auf die Bedürfnisse des Werks hin ausgerichtet worden.

Kritiker: Haushalt der Stadt wurde dem Konzern-Vorstand vorgelegt

"Bis vor wenigen Jahren wurde sogar der Haushalt der Stadt Leverkusen vor seiner Verabschiedung dem Bayer-Vorstand vorgelegt", monieren die Kritiker des Großkonzerns. Auch als Besitzer Tausender Wohnungen habe das Unternehmen Einfluss genommen. Vor einigen Jahren habe der Konzern dank "kreativer Buchführung" die Gewerbesteuerzahlungen vollständig eingestellt. Die Stadt stehe seitdem vor dem finanziellen Kollaps.

Kritiker: Gift-Skandal wurde kaschiert

Die Organisation bemängelt auch eine "anhaltend hohe Umweltbelastung" durch das Leverkusener Bayer-Werk. Aktuell in der Kritik stehe die Landesgartenschau in der Leverkusener Dhünnaue, dort soll das angrenzende Bayer-Werk jahrzehntelang giftige Chemikalien entsorgt und mangelhaft gesichert haben. "In den 50er Jahren wurde das Gelände bebaut, die Bewohner erfuhren jedoch nichts von der Giftfracht auf ihren Grundstücken. Erst als es zu Vergiftungen und Todesfällen kam, wurden die Häuser abgerissen."

Entgegen der Forderung von Umweltverbänden seien die Giftstoffe jedoch nicht abgetragen, sondern nur seitlich abgedichtet worden. "Um den Skandal zu kaschieren, wurde auf dem Gelände nun die Gartenschau eingerichtet." Dort fände auch am Sonntag das "Jubiläums-Feuerwerk" statt.

"Mit Hilfe der Landesgartenschau soll vergessen gemacht werden, dass der Bayer-Konzern über Jahrzehnte hinweg die Gefahren der Dhünnaue - der größten bewohnten Giftmülldeponie Europas - verharmlost hat", kritisiert Uwe Friedrich. Die Deponie habe das Grundwasser vergiftet und die Gesundheit zahlreicher Anwohner geschädigt. Nur teilweise abgesichert solle nun im wahrsten Sinne des Wortes Gras über den Skandal wachsen.

Die Coordination gegen BAYER-Gefahren fordert eine kritische Aufarbeitung der Leverkusener Stadtgeschichte, in der der Einfluss des Konzerns auf die Stadtentwicklung dargestellt wird.

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