Neue Kohlekraftwerke

Bundesumweltministerium sieht Klimawandel für Hochwasser verantwortlich

Bundesumweltminister Jürgen Trittin sprach am Donnerstag anlässlich der Hochwasserkatastrophe in Bayern von einem Zusammenhang zwischen internationalem Klimaschutz und den auftretenden Wetterkatastrophen. Man könne zwar einzelne Ereignisse nicht zweifelsfrei dem vom Menschen gemachten Klimawandel zuschreiben, jedoch handele es sich "längst nicht mehr um Einzelereignisse". Auch Wissenschaft und Versicherungswirtschaft seien sich einig, dass in Zukunft Häufigkeit, Intensität und Schäden durch Unwetter weiter zunehmen werden. Ohne sofortige und wirksame Emissionsreduktionen würden die Risiken unbeherrschbar. Dann sei "jeder Deich zu niedrig, jedes Rückhaltebecken zu klein". Er kritisierte gleichzeitig Forderungen des Bundesverbands der Deutschen Industrie (BDI). Dieser hatte die Abkehr vom Kyoto-Protokoll gefordert (ngo-online berichtete).

"Klimawandel ist Realität" "Der Klimawandel ist Realität geworden", sagte Trittin mit Bezug auf die aktuellen Hochwasser-Ereignisse. Die Bekämpfung des Klimawandels könne aber kein Land allein bewältigen. Das Kyoto-Protokoll mit seinem multilateralen Ansatz und seinen rechtsverbindlichen Verpflichtungen zur Minderung von Treibhausgasemissionen sei "ein erster Schritt auf dem einzig richtigen Weg".

Freiwillige Verpflichtungen ohne Erfolg

Trittin kritisierte in diesem Zusammenhang die jüngst erhobene Forderung des BDI nach einer Abkehr vom Kyoto-Protokoll. Die Vergangenheit habe gezeigt, dass mit freiwilligen Verpflichtungen keine echten Erfolge in der Umweltpolitik zu erzielen seien. Eine Abkehr von verbindlichen Zielen sei keine Alternative, sondern lenke nur von der dringenden Notwendigkeit zu handeln ab.

Industriestaaten Hauptverantwortliche

Dabei sollten die Industriestaaten als Hauptemittenten mit anspruchsvollen Reduktionsverpflichtungen vorangehen. Die Verpflichtungen für die zweite Kyoto-Periode von 2012 bis 2020 sollen nach Auffassung des Bundesumweltministeriums beim nächsten Kyoto-Treffen in Montreal im Dezember besprochen werden.

Die EU-Regierungschefs hätten für Industrieländer Reduzierungspfade von 15 bis 30 Prozent bis 2020 in Aussicht genommen. Das deutsche Bundesumweltministeriums denkt - jedenfalls offiziell - über ein Minderungsziel von 30 Prozent gegenüber 1990 nach. "Deutschland wäre dann bereit, seine Anstrengungen zu verdoppeln und die Emissionen bis 2020 um 40 Prozent zu reduzieren", verkündete Trittin bezogen auf eine fernere Zukunft.

Solarenergie-Förderverein: Auch Trittin trat für neue fossile Großkraftwerke ein

Der Solarenergie-Förderverein Deutschland hat in diesem Zusammenhang kürzlich darauf hingewiesen, dass auch Bundesumweltminister Jürgen Trittin in einem "Spiegel"-Interview vom 24. März die Ankündigung der Energiewirtschaft begrüßt hatte, in Nordrhein-Westfalen fünf Milliarden Euro in neue fossile Kraftwerke zu investieren.

Der Energieriese RWE möchte zum Beispiel in Neurath bei Neuss zwei neue Braunkohle-Kraftwerksblöcke errichten. Nach Angaben von Greenpeace würde das neue Braunkohle-Kraftwerk in Neurath 14 Millionen Tonnen Kohlendioxid jährlich in die Luft blasen. Die offiziellen Klimaschutzziele Deutschlands wären dann nicht mehr einhaltbar, meint die Organisation.

Schon heute sei RWE in Deutschland der größte Betreiber von Braunkohle-Kraftwerken. In Europa sei der Energieriese für 15 Prozent der Kohlendioxid-Emissionen aus der Stromproduktion verantwortlich und mit jährlich 168 Millionen Tonnen Kohlendioxid größter Produzent von Treibhausgasen.

Eine ambitionierte Umweltpolitik müsste nach Auffassung des Solarenergie-Fördervereins alles daran setzen, den Bau neuer fossiler Kraftwerke durch forcierten Ausbau der Erneuerbaren Energien überflüssig zu machen.

Zeige Deinen Kontakten bei Google und Facebook, dass Dir dieser Beitrag gefällt!