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"Jedes siebte Kind lebt wegen Hartz IV in Armut"

"Quasi über Nacht"

Einer Untersuchung des Paritätischen Wohlfahrtsverbandes zufolge lebt jedes siebte Kind in Deutschland in Armut. Der drastische Anstieg der Kinderarmut sei auf "Hartz IV" zurückzuführen. Durch Hartz IV habe die Kinderarmut in Deutschland "quasi über Nacht" eine neue historische Dimension erreicht, meint Ulrich Schneider vom Paritätischen Wohlfahrtsverbandes. Arme Kinder seien vom Gemeinschaftsleben "faktisch ausgeschlossen". Schneider warnte vor unabsehbaren Folgen für Gesellschaft und Gemeinwesen. Langfristige Konzepte seien nicht ausreichend. Kinder, die heute in Armut leben, bräuchten die Lösungen jetzt.

Nach Berechnungen des Verbandes leben über 1,5 Millionen Kinder auf Sozialhilfeniveau - Ende 2004 seien es noch 965.000 Kinder gewesen. Auf weitere 200.000 schätzt der DPWV die Dunkelziffer der Kinder, die zwar ein Anrecht auf eine Sozialleistung hätten, diese jedoch nicht in Anspruch nehmen. Insgesamt leben 14,2 Prozent der Kinder in Armut - also jedes 7. Kind in Deutschland.

In Westdeutschland betrage die Kinderarmutsquote 12,4 Prozent, in Ostdeutschland 23,7 Prozent. In etlichen Städten werd sogar die 30-Prozent-Marke deutlich überschritten. Auch in Westdeutschland seien für einige Städte erschreckende Zahlen zu registrieren. Eklatante Beispiele aus Ost und West sind dem Bericht zufolge: Berlin (29,9 Prozent), Schwerin (34,3), Görlitz (35), Halle (34,6), Offenbach am Main (28,7) im bayerischen Hof (20 Prozent), Pirmasens (25,3), Bremerhaven (38,4), Kiel (29,6), Hamburg (20,4).

"Es ist verheerend für ein Gemeinwesen, wenn ein Drittel der Kinder vom normalen gesellschaftlichen Leben ausgeschlossen sind", so Schneider. "Für Kinder, die von Arbeitslosengeld II oder Sozialhilfe leben müssen, ist vieles Tabu, was für andere selbstverständlich ist: Musikunterricht, Turnen im Sportverein, Zoobesuch oder Computerkurs." Nicht einmal Nachhilfeunterricht sei bezahlbar.

"Wir können es uns nicht leisten, 1,7 Millionen Kinder auf einem Einkommensniveau zu belassen, das ihnen schlicht Zukunftschancen nimmt", meint Schneider. Der Paritätischen Wohlfahrtsverband fordert, dass beim Bezug von Arbeitslosengeld II und Sozialgeld künftig wieder die Möglichkeit eingeräumt wird, einmalige Leistungen für Ausgaben wie beispielsweise die Einschulung zu gewähren. "Schulranzen, Schultüte, Turnbeutel, Turnkleidung, Federmappe und Schreibhefte addieren sich schnell zu 180 Euro. Wie soll dies bei einem Kinder-Regelsatz von 207 Euro im Monat bestritten werden?" fragte Schneider.

Sozialhilfe, Arbeitslosengeld II und Sozialgeld müssten zudem um mindestens 19 Prozent erhöht werden, damit wenigstens annähernd von Bedarfsdeckung gesprochen werden könne. Deutschland brauche darüber hinaus ein Bildungs- und Erziehungssystem, das es schaffe, auch für Kinder aus bildungsfernen Familien Chancengerechtigkeit herzustellen.

Außerdem müsse die "völlig überzogene Pauschalisierung" bei der Bedarfsermittlung zurückgenommen werden. Leider zeige keine Partei in ihrem Wahlprogramm zufriedenstellende Lösungen.

Auch Kinderschutzbund-Geschäftsführerin Gabriele Wichert mahnte: "Das Einkommen von Kindern darf nicht abhängig sein von der Erwerbsbiografie ihrer Eltern." Sie forderte von der Regierung, "ein ganz klares Ziel zur Reduzierung der Kinderarmut festzulegen".

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