"Massenmarkt erschließen"

Bahn-Initiative kritisiert Verteuerung der BahnCard

Nach Ansicht der Initiative "Bürgerbahn statt Börsenbahn" (BsB) orientiert sich die Deutsche Bahn AG zu sehr an Gelegenheitsfahrern und verpasst so die Chancen für eine andere Verkehrskultur. Die Initiative weist am Freitag in diesem Zusammenhang vor allem auf die BahnCard hin. Ihre eigentliche Grundidee sei die einer "Mobilitätskarte" für den Massenmarkt. Durch die zu hohen Preise würde aber nur ein sehr kleiner Teil der Bevölkerung erreicht. Stattdessen würde die Deutsche Bahn immer neue "Schnäppchenpreise" einführen, die zwar zu kurzfristiger Bahnnutzung motivieren könnten, aber keinen Anreiz böten, die Verkehrsmittel dauerhaft zu wechseln.

Das Schweizer Modell - Bürgerbahn -

Nach Angaben der Initiative haben in der Schweiz mehr als zwei Millionen Menschen ein "Halbtax-Ticket", dass der deutschen BahnCard-50 entspreche. Es koste dabei nur etwa die Hälfte der deutschen Variante und biete trotzdem mehr Leistungen.

Auf die deutsche Bevölkerung umgerechnet müssten 20 Millionen Menschen eine BahnCard-50 besitzen, um ebenso stark vertreten zu sein. Es gebe aber hierzulande nur 2 Millionen Käufer. Die Kritiker: "Die Deutsche Bahn AG erreicht gerade mal ein Zehntel des realen BahnCard-Marktes." Dies sei aber "kein Wunder". Sie sei zuletzt schon zu teuer gewesen, und werde nun ab Dezember erneut verteuert. Dabei sei die BahnCard-50 die entscheidende BahnCard-Variante, wenn es um den Gedanken einer veränderten Verkehrskultur gehe.

Die Geschichte der BahnCard-50

Die BahnCard-50 kostete bis Dezember 2002 140 Euro, skizziert die Initiative "Bürgerbahn statt Börsenbahn". Im Zuge einer Bahnpreisreform namens PEP sei sie dann abgeschafft worden. Wegen starker Proteste sei sie im Sommer 2003 zum Preis von 200 Euro wieder eingeführt worden. Ab Dezember 2005 solle sie nun 206 Euro kosten.

Deutsche Bahn: "Marktbeobachtungen"

Die Deutsche Bahn bestätigte diese Zahlen. Man "beobachte den Markt", heißt es bei dem Unternehmen, und sehe sich grundsätzlich auf dem richtigen Weg. Es seien schon verschiedene Überlegungen angestellt worden, unter anderem die Halbierung des Preises für die BahnCard-50. Der Gedanke sei aber wieder verworfen worden.

Die Schnäppchenaktionen sollten dazu dienen, Neukunden zu gewinnen. Den Normalpreis zahle "sowieso fast niemand", sagte ein Pressesprecher der Bahn. 80 Prozent aller Fahrten würden über die verschiedenen Rabatt-Tarife in Anspruch genommen.

"Kultur des Bahnfahrens"

Die Initiative Bürgerbahn statt Börsenbahn fordert hingegen, die BahnCard für den Massenmarkt attraktiv zu machen, statt auf Schnäppchenaktionen zu setzen. "Richtig wäre es, sich auf eine Kultur des Bahnfahrens zu orientieren, die eine Mobilität auf der Schiene, mit öffentlichen Verkehrsmitteln, per Rad und zu Fuß als grundsätzliche Alternative begreift."

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