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Siemens-Manager Pierer für deutlich längere AKW-Laufzeiten

Wahlkampf-Thema

Schon seit Wochen wird das in den Medien zuvor nur wenig diskutierte Thema Atomenergie im Wahlkampf aufgebaut. Die Umweltverbände befürchten, dass die Laufzeiten der Atomkraftwerke in absehbarer Zeit verlängert werden könnten. Andere politische Beobachter spekulieren, es gehe jetzt im Wahlkampf vor allem darum, eine klassische Polarisierung zwischen Regierungsparteien und Unions-Opposition zu inszenieren, um angesichts der wenig unterscheidbaren Parteien die Wähler an die etablierten Parteien zu binden. Profitieren würden von der Diskussion vor allem die Grünen, die auch für eine Koalition mit der Union zur Verfügung stünden. Der neue Wirtschafts-Berater von Unions-Kanzlerkandidatin Angela Merkel (CDU), Siemens-Aufsichtsratschef Heinrich von Pierer, trägt nun zu dieser Debatte bei. Im "Handelsblatt" plädierte der langjährige Siemens-Chef für eine deutliche Verlängerung der Laufzeiten deutscher Atomkraftwerke.

Die ehemalige Siemens-Sparte KWU hat alle in Deutschland betriebenen Atomkraftwerke gebaut. Gemeinsam mit dem französischen Konzern AREVA gehört Siemens der weltweit führende Atomkraftwerkshersteller Framatome ANP mit Hauptsitz in Paris. Das Unternehmen baut neue Atomkraftwerke in Finnland und in China.

An deutschen Atomkraftwerken verdient das Unternehmen insbesondere mit Wartungsaufträgen und mit der Lieferung von Brennelementen. Je länger die deutschen Atomkraftwerke laufen, desto länger verdient auch Siemens an diesem Geschäft.

"Es reicht nicht aus, nur die Laufzeiten der Atomkraftwerke von 32 auf 40 Jahre zu verlängern", sagte Pierer dem Handelsblatt. Er verwies darauf, dass in anderen Ländern wie beispielsweise den USA gegenwärtig Pläne umgesetzt würden, "die Lebensdauer auf 60 Jahre zu verlängern".

Grünen-Chef Reinhard Bütikofer wertete Pierers Vorstoß als "Provokation und Kriegserklärung an alle ökologisch denkenden Menschen in unserem Land". Die CDU könne sich darauf verlassen, dass die Grünen "entschiedenen Widerstand gegen solche Pläne mobilisieren werden", so Bütikofer in Berlin.

Pierer sagte, eine Laufzeit von 60 Jahren sei "machbar". Seinen Worten zufolge sollte bei allen Überlegungen der "Grundsatz immer im Mittelpunkt stehen: Sicherheit geht vor Wirtschaftlichkeit".

Atomkraftgegner sehen das anders. Sie behaupten unter Verweis auf verschiedene Verlautbarungen aus der Atomindustrie, dass wegen des Kostendrucks auf den teil-liberalisierten Strommärkten beim Atomkraftwerksbetrieb längst der Grundsatz "Wirtschaftlichkeit geht vor Sicherheit" gelte. So sei der Prüfumfang in den letzten Jahren reduziert worden und es würden sogar teilweise notwendige Reparaturen verzögert werden. Dies allein, um Kosten zu sparen. Angesichts von zunehmenden "Alterungserscheinungen" in den deutschen Atomkraftwerken halten sie eine sofortige Stilllegung der Atomanlagen für erforderlich.

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