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Giftcocktail in neuen Autos

Chemikalienpolitik

Die Innenraumluft von Autos ist aktuellen Untersuchungen zufolge mit nahezu 100 verschiedenen giftigen Chemikalien belastet. In den untersuchten Autos von Opel, Mercedes-Benz und Renault fanden der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) und seine österreichische Schwesterorganisation "Global 2000" neben den als krebserregend geltenden Substanzen Formaldehyd und Benzol mehr als 50 flüchtige organische Verbindungen (VOC) "in zum Teil gesundheitsschädlichen Konzentrationen". Autos der Marken Mitsubishi, Volkswagen und Alfa Romeo wiesen ebenfalls erhöhte VOC-Werte auf. Der BUND forderte möglichst strenge Regeln für das demnächst zu beschließende EU-Chemikaliengesetz REACH.

Verwendet werden diese Chemikalien in Lacken und Textilfarben. Sie gelangen durch Ausgasung in den Innenraum und können sich auch als hauchdünner Film an den Innenseiten der Autoscheiben ablagern. Die Messungen ergaben, dass die Chemikalien bei Sonneneinstrahlung deutlich intensiver ausgasen. Der höchste gemessene VOC-Wert habe 15 Milligramm pro Kubikmeter Raumluft betragen. VOC-Belastungen ab einem Milligramm können nach Einschätzung der Umweltschützer bei empfindlichen Personen Augen-, Atemwegs- und Hautreizungen hervorrufen.

BUND: Grenzwerte überschritten

Für Patricia Cameron vom BUND ist der "Giftcocktail" in den Autos "Besorgnis erregend". Die Konzentration der Chemikalien überschreite die erlaubten Grenzwerte teilweise um ein Vielfaches. "Wenn Wissenschaftler beispielsweise für Formaldehyd einen Maximalwert von 0,125 Milligramm pro Kubikmeter Luft empfehlen, in Autos aber die dreifache Menge gefunden wird, muss dringend gehandelt werden", forderte Cameron.

Die rund 100 gefundenen Chemikalien würden in der Europäischen Union seit langem eingesetzt und gehörten zu den rund 100.000 sogenannten "Altstoffen". Nur für einige dieser Stoffe, deren Gefährlichkeit eher zufällig entdeckt worden sei, gebe es geeignete Analysemethoden.

BUND: "Möglichst strenge REACH-Regeln"

Um alle Altstoffe genau untersuchen und schädliche Substanzen ersetzen zu können, müsse die derzeit auf europäischer Ebene verhandelte Chemikalienverordnung mit dem Kürzel REACH möglichst streng ausgelegt werden. REACH steht für Registrierung, Evaluierung (Bewertung) und Autorisierung (Zulassung) von Chemikalien. Anfang Oktober wird der Umweltausschuss des Europäischen Parlaments über den Gesetzentwurf zu REACH abstimmen.

"Noch Monate nach Herstellung der Autos gasen die Chemikalien in die Raumluft der PKWs aus und gefährden die Gesundheit der Fahrer und Mitfahrer", kritisiert Cameron. Nur eine wirksame Chemikalienverordnung verbessere den Umwelt- und Gesundheitsschutz. Sie forderte EU-Industriekommissar Günther Verheugen und die Autoindustrie deshalb auf, sich für möglichst strenge REACH-Regeln einzusetzen.

Der Industrie-Ausschuss des Europaparlaments forderte dagegen, REACH erheblich zu entschärfen. Vor allem Konservative und Liberale wollen beispielsweise für Chemikalien, von denen weniger als zehn Tonnen im Jahr produziert werden, ein vereinfachtes System einführen.

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