Artenschutz

China will offenbar den Handel mit Körperteilen von Tigern legalisieren

Nach Informationen der Artenschutzorganisation WWF (World Wildlife Fund) erwägt die chinesische Regierung, den seit 1993 in China verbotenen Handel mit Körperteilen von Tigern wieder frei zu geben. Nach Ansicht des WWF würde die Freigabe die Situation der vom Aussterben bedrohten Tiger-Populationen in Asien dramatisch verschärfen. "Die Pläne müssen unbedingt gestoppt werden. Die Zukunft des Tigers steht auf dem Spiel", meint Volker Homes vom WWF.

Nur sechs der vormals neun Unterarten des Tigers leben nach Angaben des WWF noch. Ihr Bestand werde auf weniger als 5.000 Tiere geschätzt. In China werden Tiger offenbar in kommerziellen Einrichtungen gezüchtet. Ihre Körperteile wie Knochen, Zähne und Hoden galten in der traditionellen asiatischen Medizin lange als Heilmittel gegen Beschwerden wie Rheuma oder Asthma, schreibt die Artenschutzorganisation. Obwohl sie verboten seien, fänden Tigerarzneien immer noch Verwendung. Wichtigste Abnehmerländer für die illegalen Produkte seien Taiwan, Korea, China, Japan, Singapur und Malaysia. Im August habe der taiwanesische Zoll 140 Kilogramm Tigerknochen beschlagnahmt.

Ein neuer Markt für Produkte aus der chinesischen "Tiger-Zucht" würde wild lebende Tiger in ganz Asien neuer Verfolgung aussetzen, befürchtet der WWF. "Wilderer werden verstärkt Tiger schießen, um illegale Märkte zu beliefern", befürchtet Volker Homes. Die Freigabe des Handels würde auch ein falsches Signal an die chinesischen Verbraucher senden. Leicht könne der Eindruck entstehen, es sei nichts dabei, Tigerprodukte zu kaufen.

Das chinesische Handelsverbot von 1993 hatte nach Auffassung des WWF einen großen Fortschritt gebracht. Die Nachfrage nach Tigerprodukten habe erfolgreich eingedämmt werden können. "Werden die aktuellen Pläne umgesetzt, wird die exzellente Arbeit der chinesischen Regierung zu Nichte gemacht", so Homes. China habe sich bei Verstößen gegen den illegalen Tierhandel "durch hartes Vorgehen" zuletzt vorbildlich verhalten. Ein Rückschritt beim Tigerschutz mache da keinen Sinn. Vor allem nicht, weil es in der modernen asiatischen Medizin Alternativen zu Tigerheilmitteln gebe.

Sorge bereitet dem WWF auch der Markt für Tiger- und Leopardenfelle, der sich derzeit in Tibet entwickele. Jedes Jahr würden in der Region Hunderte Raubkatzen getötet, um die steigende Nachfrage zu befriedigen. Im August im Zentrum der tibetischen Hauptstadt Lhasa 23 Geschäfte gezählt worden, die Felle und Körperteile von Tigern und Leoparden verkauften. Die Artenschützer fordern die chinesischen Behörden in Tibet auf, die illegale Nachfrage nach Tiger- und Leopardenprodukten so schnell wie möglich einzudämmen und die Kontrollen entlang der Handelswege zu verschärfen.

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