UN-Menschenaffenkonferenz

Wilderei bedroht Menschenaffen in Afrika und Asien

Illegaler Handel und Wilderei sind eine der größten Bedrohungen für die letzten verbliebenen Menschenaffen in Afrika und Asien. Wie eine am Dienstag anlässlich der UN-Menschenaffenkonferenz in Kinshasa veröffentlichte WWF-Studie zeigt, gelangten allein im indonesischen Teil der Insel Borneo jedes Jahr mehrere Hundert Orang-Utans illegal auf die Märkte des Landes. Die Artenschutzorganisation WWF geht davon aus, dass die Wilderei häufig ein Nebenprodukt der meist illegalen, "von der Holzmafia" organisierten Waldvernichtung und der Umwandlung von Regenwald in Plantagen ist. "Die Holzfäller machen ein profitables Zusatzgeschäft, wenn sie in dem Wald, den sie kahl schlagen, auch noch die Orang-Utans fangen und diese dann später verkaufen", so Stefan Ziegler vom WWF.

Weil für jeden gefangenen Orang-Utan mehrere Tiere getötet würden, seien es allein im indonesischen Teil Borneos Jahr für Jahr über 1.000 Tiere, die Wilderei und Handel zum Opfer fielen. Die Zahl der Orang-Utans auf Borneo sei seit 1990 um fast zwei Drittel auf 55.000 Tiere gesunken. Trotzdem habe der Handel in den letzten 15 Jahren nicht abgenommen. "Der blühende Schwarzmarkt bringt die Menschenaffen an den Rand des Aussterbens", so Ziegler.

Für die Studie hatte TRAFFIC, das gemeinsame Artenschutzprogramm des WWF und der International Union for Conservation of Nature and Natural Resources (IUCN), über zwei Jahre Märkte, Zoos, Privatleute und Rettungsstationen beobachtet. Als gewinnbringende Ware gälten vor allem junge Orang-Utans. Sie würden in ländlichen Gebieten für weniger als 20 Euro an Zwischenhändler abgegeben. Von dort gelangten die Tiere über ein gut organisiertes Netzwerk entlang der Flüsse an die Küsten Borneos, wo sich der Preis bereits verdreifacht habe. Auf den Märkten in Java und Bali erreichen sie Durchschnittspreise von 300 Euro. In den Küstenstädten würden Orang-Utans häufig auf vor Anker liegenden Cargo-Schiffen gegen Fernseher oder Radios getauscht. Auf den internationalen Märkten erzielten einzelne Orang-Utans sogar Spitzenpreise von bis zu 40.000 Euro.

"Wilderei und illegaler Handel sind nicht nur für Orang-Utans in Asien, sondern auch für Gorillas, Schimpansen und Bonobos in Afrika eine der größten Bedrohungen", meint Ziegler. Der WWF fordert die Teilnehmer der UN-Menschenaffenkonferenz in Kinshasa auf, ein wirksames Programm gegen das Geschäft mit den Menschenaffen zu verabschieden. "Die Staaten müssen Wilderer und Händler endlich hart bestrafen und die Märkte besser überwachen", so Ziegler. In Indonesien würden die vorhandenen Strafgesetze nicht angewendet. "Uns ist kein einziger Fall bekannt, in dem ein gefasster Wilderer wirksam bestraft wurde", kritisiert Ziegler. Diese Situation sei typisch für die 23 Staaten, in denen wildlebende Menschenaffen vorkommen.

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