Ermittlungen
Schlachtabfälle sollen in Lebensmittelproduktion gelandet sein
Solche Details wollte Oberstaatsanwalt Johann Kreuzpointner am Mittwoch "aus ermittlungstaktischen Gründen" nicht bestätigen. Die beiden Firmen lehnten Stellungnahmen ab.
Die niederbayerische Firma Frost GmbH, die nur eine Zulassung nach dem Tierkörperbeseitigungsgesetz als "Zwischenbehandlungsbetrieb" für "Material der Kategorie 3" besitze und daher nur an Tierfutterhersteller verkaufen dürfe, soll offenbar ihre genussuntaugliche Rohware bei Schlachthöfen und Schlachtabfallsammelbetrieben aus Deutschland, Österreich und der Schweiz bezogen und danach zu Lebensmitteln umdeklariert haben. Zum Teil sei dies mit Hilfe des Mutterbetriebes, der Kollmer Fleisch und Kühlhaus GmbH aus Illertissen im Allgäu, geschehen, schreibt der "Stern".
Aus hochwertigen Geflügelkarkassen, die als für den menschlichen Verzehr geeignet klassifiziert seien, werde so genanntes Separatorenfleisch gepresst, das zum Beispiel in Hühnerbrühe und Press-Putenschnitzeln, auf Tiefkühl-Pizzen, in Tortellini und Ravioli, Geflügel-Nuggets und Wurst verwendet werden könne. Schweineschwarten würden vor allem zur Gelatineproduktion genutzt. Speisegelatine sei unter anderem in Joghurt, Gummibärchen, Margarine, Wurst und Getränken vorhanden.
Oberstaatsanwalt Kreuzpointner bestätigte, dass sich die Ermittlungen auch auf Österreich beziehen. Nach Ermittlungen der Zollfahndung Lindau habe sich ein Anfangsverdacht ergeben, dass das Schlachtmaterial nicht korrekt verwendet worden sei. Derzeit werde nach dem Verbleib von mehreren Tonnen gesucht. Die Ermittlungen befänden sich noch ganz am Anfang, sagte Kreuzpointner. Für einen Haftbefehl oder eine Strafanzeige sei es derzeit noch zu früh.
Nach Informationen des "Stern" wurden die umdeklarierten Schwarten und Karkassen, das sind Hühnergerippe mit Haut, Fleisch- und Fettresten, europaweit verkauft: in Deutschland an drei Verarbeiter von Geflügelfleisch und einen Gelatinehersteller, im Ausland an Wurstfabrikanten aus Litauen, Polen und Ungarn sowie einen französischen und einen italienischen Gelatinehersteller. In den Fall sei auch die europäische Betrugskontrollbehörde "Olaf" eingeschaltet worden.
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