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Umweltschützer kritisieren überdurchschnittliche Spritverbräuche bei Neuwagen

Verbindliche Verbrauchsgrenzen gefordert

Nach Einschätzung der Deutschenn Umwelthilfe (DUH) haben die deutschen Autohersteller ihre gegenüber der EU für das Jahr 2008 eingegangene Selbstverpflichtung beim Klimaschutz faktisch aufgegeben. Das gehe, so jedenfalls die Berechnungen der Deutschen Umwelthilfe, "zweifelsfrei aus den Spritverbrauchsdaten des Modelljahrs 2006 hervor". Um potenzielle Autokäufer über die überdurchschnittlichen Spritverbräuche ihrer Neuwagen im Unklaren zu lassen, verstießen die Hersteller in den Autohäusern zudem regelmäßig gegen die Auflagen, die sie seit einem Jahr zur Nennung des Spritverbrauchs und des Kohlendioxid-Ausstoßes verpflichteten. In einem Schreiben an EU-Umweltkommissar Stavros Dimas verlangt die Umwelthilfe verbindliche Verbrauchsgrenzen für neu zugelassene Pkw.

Diese verbindlichen Verbrauchsgrenzen sollen nach Auffassung der Deutschen Umwelthilfe ab 2008 "die schon jetzt gescheiterte Selbstverpflichtungsvereinbarung" mit der europäischen Automobilindustrie ersetzen. Eine schärfere Gangart bei der Eindämmung des Treibhauseffektes sei angesichts der immer dramatischeren Vorhersagen der Klimaforscher und der realen Katastrophen in den Anrainerstaaten des Golfs von Mexiko überfällig.

Bundesgeschäftsführer Jürgen Resch forderte Union und SPD auf, europaweit verbindliche Spritverbrauchslimits bei Neufahrzeugen in ihre Koalitionsvereinbarung aufzunehmen und auf EU-Ebene konsequent einzufordern: "Wer nach den Erfahrungen dieses Jahres immer noch glaubt, erfolgreichen Klimaschutz über unverbindliche Vereinbarungen mit der Autoindustrie erreichen zu können, steht ab sofort im Verdacht der aktiven Volksverdummung. Zur Begrenzung des Kohlendioxid-Ausstoßes unserer Autoflotte brauchen wir keine Selbstverpflichtungen, die nicht eingehalten werden, sondern verbindliche Grenzwerte wie für die klassischen Schadstoffe", so Resch.

Nach den Untersuchungen der Deutschen Umwelthilfe unterschreiten unter allen deutschen Benzin-Pkw des Modelljahrs 2006 nur zwei den von der europäischen Automobilindustrie für das Jahr 2008 gegenüber der EU zugesagten Flottenwert von 140 Gramm Kohlendioxid pro Kilometer, entsprechend 5,8 Liter Benzin pro 100 Kilometern. Außer dem Opel Corsa (Modell 1,0 12 V Twinport) und dem in Frankreich produzierten Zweisitzer Smart Fortwo scheiterten alle anderen deutschen Neufahrzeuge an der Verbrauchsgrenze, die in gut zwei Jahren im Durchschnitt aller Neuwagen erreicht sein müsste.

Insbesondere der VW-Konzern, "früher einmal das Unternehmen verbraucherfreundlicher und Sprit sparender Fahrzeuge", zeigt nach Überzeugung der Umwelthilfe "geradezu demonstrativ, dass ihn die Welt jenseits betonierter Pisten nicht tangiert". Während der Wolfsburger Konzern die Spritsparmodelle VW-Lupo und Audi A2 in diesem Jahr eingestellt habe, führten gleich drei Fahrzeuge aus dem Luxussegment (Lamborghini Murciélago, Bugatti Veyron, Bentley Arnage T) des Unternehmens die Hitliste aller Spritschlucker an.

Bei den Diesel-Pkw deutscher Autobauer liegen laut Umwelthilfe zwar mehr Modelle unter dem für 2008 anvisierten EU-Flottenwert von 140 Gramm Kohlendioxid pro Kilometer, entsprechend 5,1 Liter Diesel pro 100 Kilometern. Dieser Erfolg sei aber teuer erkauft. Mit Ausnahme des A 160 von Mercedes-Benz verfüge bisher keines dieser sparsamen Diesel-Modelle über einen Rußpartikelfilter. "Die geringere Belastung des Weltklimas geht auf Kosten der Gesundheit der Menschen in unseren Städten", kritisiert Resch.

Mit den Durchschnittsverbräuchen aller angebotenen Modelle 2006 überträfen die drei großen deutschen Hersteller Volkswagen (202 g CO2/km), BMW (219 g CO2/km), DaimlerChrysler (237 g CO2/km) den für 2008 anvisierten EU-Flottenwert von 140 Gramm Kohlendioxid pro Kilometer um 45 bis fast 70 Prozent. In Reichweite dieses Ziels liege allein der japanische Hersteller Daihatsu mit 147 Gramm Kohlendioxid pro Kilometer. Mittlere Werte erreichten der französische PSA-Konzern (Peugeot/Citroen), Suzuki und Renault /Nissan (170 bis 179 g CO2/km). Nach EU-Recht seien die Autokonzerne seit Januar 2001 und auch nach deutschem Recht "endlich" seit dem 1. November 2004 verpflichtet, in Werbeanzeigen und in den Autohäusern, ihre Kunden über die Spritverbräuche der angebotenen Neuwagen zu informieren.

Gegen "die vielfältige, kreative Umgehung dieser Kennzeichnungspflicht" geht die Deutsche Umwelthilfe seit dem Inkraftreten der entsprechenden Verordnung mit Abmahnungen und Gerichtsverfahren vor. "Dass die gesetzliche Verpflichtung zur Offenbarung der Spritverbräuche ernst gemeint ist und ihre Umgehung kein Kavaliersdelikt, hat sich auch nach zwölf Monaten noch nicht überall herum gesprochen", sagte Cornelia Ziehm, bei der Umweltschutzorganisation zuständig für Recht und Verbrauchschutz. Verstöße seien immer noch an der Tagesordnung.

Rund 200 Abmahnungen habe die Umwelthilfe binnen eines Jahres aussprechen "müssen" und in diesem Zeitraum 88 Unterlassungserklärungen und acht Einstweilige Verfügungen "gegen besonders hartleibige Unternehmen und Händler erwirkt". Etwa zehn Verfahren und Musterklagen seien derzeit noch vor den Gerichten anhängig.

Die Deutsche Umwelthilfe habe sich von Anfang an eine an die Verbrauchskennzeichnung von Kühlschränken oder Waschmaschinen angelehnte farbige Kennzeichnung auch bei Autos gewünscht. Dies sei am Widerstand der Autolobby gescheitert. "Die am Ende erlassene nackte Nennung des Spritverbrauchs und der Kohlendioxid-Belastung ist für uns nur die zweitbeste Lösung", sagte Ziehm. Die Umweltschützer wollen trotzdem ihre "Hausbesuche" bei Händlern und die Beobachtung von Werbeanzeigen solange fortsetzen, bis wenigstens diese moderate Verpflichtung flächendeckend eingehalten werde. Die Autohersteller müssten ihren Kunden reinen Wein einschenken. Jeder Autokäufer müsse wissen, ob ein neues Auto das Klima unnötig stark belaste oder nicht.

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