"Joint Task Force"

Amnesty beklagt Gewalt gegen Kritiker der Ölproduktion in Nigeria

Zehn Jahre nach der Hinrichtung Ken Saro-Wiwas und weiterer acht Menschenrechtsaktivisten in Nigeria leben die Menschen im ölreichen Niger-Delta nach Einschätzung von Amnesty International sehr gefährlich, wenn sie gegen Ölfirmen protestieren oder verdächtigt werden, die Ölproduktion zu behindern. Bewohner der nigerianischen Ölregion würden immer wieder Opfer schwerer Übergriffe durch nationale Sicherheitskräfte, insbesondere durch die 2004 zum Schutz der Ölfirmen gegründete "Joint Task Force". Menschen würden erschossen und vergewaltigt, Häuser und Dörfer zerstört. Amnesty fordert die Regierung Nigerias auf, die Übergriffe unabhängig untersuchen zu lassen.

"Zehn Jahre nach der Kampagne der Ogoni für ihre wirtschaftlichen und sozialen Rechte beeinträchtigt die Ölproduktion noch immer Lebensverhältnisse und Umwelt der Menschen im Niger-Delta", sagte Mathias John von Amnesty. "Noch immer ist willkürliche, oft tödliche Gewalt die Antwort des Staates auf die Proteste seiner Bürger. Noch immer leben die meisten Menschen im Delta unter der absoluten Armutsgrenze von einem US-Dollar pro Tag - obwohl sich die Einnahmen der nigerianischen Regierung aus dem Ölgeschäft zuletzt vervielfacht haben."

Am 4. Februar 2005 soll die Joint Task Force auf Demonstranten vor der Förderanlage Escravos der Firma Chevron geschossen haben. Dabei sei ein Mann gestorben, dreißig weitere Demonstranten seien teilweise schwer verletzt worden. Weder die Soldaten noch Chevron Nigeria hätten sich um die medizinische Versorgung und den Transport der Verletzten gekümmert.

Am 19. Februar 2005 soll die Joint Task Force einen Überfall auf die Gemeinde von Odioma verübt haben. Dabei habe sie mindestens siebzehn Menschen getötet, zwei Frauen vergewaltigt und achtzig Prozent des Dorfes zerstört. Bis heute hat es laut Amnesty keine unabhängigen Untersuchungen zu diesen Vorfällen gegeben. Die Verantwortlichen seien nicht zur Rechenschaft gezogen worden.

"Wenn Unternehmen Menschenrechtsverletzungen tolerieren, ignorieren oder sogar veranlassen und davon profitieren, machen sie sich mitschuldig", sagte John. "Chevron muss seine Rolle beim Escravos-Vorfall unabhängig untersuchen lassen, Shell die Vorwürfe, ein Subunternehmer der Firma habe Mitglieder einer teilweise kriminellen Gruppe in Odioma für Sicherheitsleistungen rekrutiert."

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