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Schröders Wechsel ist kein Einzelfall

Von der Politik in die Wirtschaft

Die Übernahme des Aufsichtsratsvorsitzes beim russisch-deutschen Gaspipeline-Konsortiums NEGP durch Alt-Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) schlägt derzeit hohe Wellen. Doch ein Wechsel von der Politik in die Wirtschaft ist nicht selten:

WERNER MÜLLER (parteilos, für SPD): Der frühere Manager des E.ON-Vorläufers und spätere Bundeswirtschaftsminister (1998 bis 2002) wurde im April 2003 zum Vorstandschef des Kohle- und Chemiekonzerns RAG bestellt. Als Minister war Müller an der Verlängerung der Steinkohlesubventionen beteiligt. Im Streit um die Genehmigung der Ruhrgas-Übernahme durch E.ON überließ er 2002 den Entscheid über eine so genannte Ministererlaubnis zur Fusion dem damaligen Wirtschaftsstaatssekretär Alfred Tacke, um sich nicht dem Vorwurf der Befangenheit auszusetzen.

MARTIN BANGEMANN (FDP): Der frühere FDP-Chef und Bundeswirtschaftsminister wechselte 1999 vom Posten des EU-Industriekommissars zum spanischen Telefonica-Konzern. Der Fall Bangemann löste heftige Reaktionen europaweit und auch massive Kritik in der FDP aus, zumal er als EU-Politiker unter anderem mit dem Bereich der Telekommunikation befasst war.

OTTO WIESHEU (CSU): Beim ehemaligen bayerischen Wirtschaftsminister war die Karenzzeit gleich Null. Wiesheu wechselte direkt von der Politik in den Bahn-Vorstand. Heikel war der Schritt, weil sich Wiesheu in den Koalitionsverhandlungen in Berlin für die Bahn eingesetzt hatte. Eine Interessenkollision wies er aber mit Hinweis auf sein jahrelanges Eintreten für die Bahn von sich.

WOLFGANG CLEMENT (SPD): Der Ex-Bundeswirtschaftsminister wurde am 8. Dezember 2005 in den Aufsichtsrat des Dienstleistungskonzerns Dussmann (Jahresumsatz 1,2 Milliarden Euro, in 28 Ländern aktiv) berufen.

KLAUDIA MARTINI (SPD): Ende August 2001 gab die rheinland-pfälzische Umweltministerin ihren Wechsel in den Opel-Vorstand bekannt. Sie übernahm dort den Posten der Kommunikationschefin. Die Stelle gab sie Ende Mai 2004 wieder auf.

KLAUS MATTHIESEN (SPD): Kurz war die wirtschaftliche Karriere des früheren SPD-Fraktionschef im nordrhein-westfälischen Landtag. Im Oktober 1998 wechselte er nach 25 Jahren in der Politik als Vorstandschef zum Kölner Rohstoff- und Entsorgungskonzern Interseroh AG. Einen Tag nach seiner ersten Pressekonferenz in dem Amt starb Matthiesen am 9. Dezember 1998.

FRIEDRICH MERZ (CDU): Seit Mai 2005 ist der CDU-Finanzexperte Mitglied des Aufsichtsrates der Deutsche Börse AG. Für Kritik sorgte vor allem, dass Merz als Berater für den englischen Hedge-Fonds TCI tätig war, der als Großaktionär der Börse AG den Sturz von Vorstandschef Werner Seifert betrieben hat.

HANS-PETER REPNIK (CDU): Er war bis September 2002 Fraktionsgeschäftsführer der Union. Nach der Bundestagswahl 2002 blieb er Bundestagsabgeordneter, übernahm daneben aber im Januar 2003 den Chefposten beim Duales System Deutschland AG (DSD). Für den "Grünen Punkt" war er bis Anfang 2005 verantwortlich.

GUNDA RÖSTEL (Grüne): Im Juni 2000 wurden Röstel und Antje Radcke als Grünen-Vorsitzende abgelöst, Anfang Oktober 2000 startete Röstel eine Managerkarriere beim Unternehmen Gelsenwasser.

LOTHAR SPÄTH (CDU): Der frühere baden-württembergische Ministerpräsident musste im Januar 1991 wegen der "Segeltörn"-Affäre zurücktreten. Ein halbes Jahr später wurde er Geschäftsführer der Jenoptik GmbH in Jena. Dort blieb er bis 2003. Seit Mai 2005 ist Späth Chef der US-Investmentbank Merrill Lynch in Deutschland.

MONIKA WULF-MATHIES (SPD): Die ehemalige Vorsitzende der Gewerkschaft Öffentliche Dienste, Transport und Verkehr (ÖTV) war von 1994 bis 1999 EU-Kommissarin für Regionalpolitik, danach europapolitische Beraterin des Bundeskanzlers. Anfang 2001 wechselte sie zur Deutschen Post World Net als Leiterin des Zentralbereichs "Politik und Umwelt, National und International".

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