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Frauen sollen höheres Bildungsniveau haben, aber weniger verdienen

"Kluft zwischen Geschlechtern"

Dem soeben erschienenen "FrauenDatenReport 2005" zufolge sind die Lebens- und Berufschancen von Frauen und Männern nach wie vor ungleich verteilt, wenn auch anders als noch vor fünf bis zehn Jahren. Nach dem Bericht des Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Instituts (WSI) in der gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung haben junge Frauen mittlerweile ein höheres schulisches Bildungsniveau als junge Männer. Doch bei den Einkommen habe sich die traditionelle Kluft zwischen den Geschlechtern in letzter Zeit trotzdem nicht weiter geschlossen. Innerhalb der EU sei die Lohnkluft nur in Estland und der Slowakei noch größer als in Deutschland. Beim zeitlichen Umfang der Erwerbstätigkeit sei die Differenz sogar wieder gewachsen.

Frauen haben bei der Bildung stark aufgeholt, so der WSI-FrauenDatenReport. 2004 hätten 40,6 Prozent der 25- bis unter 30-jährigen Frauen und 37,8 Prozent der gleichaltrigen Männer ihre Schulausbildung mit dem Abitur abgeschlossen. Bei Hochschulabschlüssen seien Frauen und Männern gleich stark vertreten.

Dennoch liege das durchschnittliche Einkommen von vollzeit arbeitenden Frauen in Deutschland weiter erheblich unter dem der Männer. In Westdeutschland verdienten Frauen danach im Durchschnitt 23 Prozent weniger, in Ostdeutschland etwa 10 Prozent. Der Aufholprozess sei in den letzten zehn Jahren sogar ins Stocken geraten, warnen die Wissenschaftler.

Daran hätten die besseren formalen Bildungsleistungen der Frauen wenig ändern können. Unter den 25 EU-Ländern gebe es nur zwei, in denen die Lohnkluft zwischen den Geschlechtern noch größer sei als in Deutschland: Estland und die Slowakei.

Auch der Anteil der erwerbstätigen Frauen in Deutschland habe 2004 mit knapp 60 Prozent im Vergleich der 25 EU-Länder nur an zehnter Stelle gelegen. Seit dem Jahr 2000 habe es praktisch keine Zuwächse mehr gegeben. Und der Beschäftigungszuwachs der Frauen in den 90er Jahren erkläre sich allein aus Zuwächsen bei der Teilzeitarbeit, so die Studie: Zwischen 1991 und 2004 sei die Zahl der vollzeitbeschäftigten Frauen um 1,6 Millionen gesunken, während die Zahl der Frauen in Teilzeitjobs um 1,8 Millionen gestiegen sei.

Entsprechend habe sich die Schere zwischen den durchschnittlichen wöchentlichen Arbeitszeiten von Männern und Frauen weiter geöffnet: 1991 arbeiteten Männer in Westdeutschland rund acht Stunden länger als Frauen, so der Report. Im Osten betrug der Unterschied drei Stunden. Bis 2004 wuchs nach der Studie die Differenz auf zehn Stunden im Westen und fünf Stunden im Osten. Im gesamtdeutschen Durchschnitt arbeiten Männer danach 40,2 Stunden, Frauen dagegen nur 30,8 Stunden. Der Anteil der Frauen, die lediglich sehr kurze Teilzeit-Jobs unter 15 Stunden in der Woche haben, habe sich zwischen 1991 und 2003 von knapp sechs auf 13 Prozent mehr als verdoppelt - mit negativen Konsequenzen für die eigenständige soziale Absicherung von Frauen.

Auch bei der Wahl von Ausbildungsberufen und Studienfächern gibt es der Studie zufolge nach wie vor erhebliche Differenzen. Frauen konzentrierten sich auf Sozial- und Dienstleistungsberufe sowie auf kultur- oder sprachwissenschaftliche Fächer, die in unserer Gesellschaft geringer bewertet und bezahlt würden. Damit vollziehe sich eine entscheidende Weichenstellung, die mit beeinflusse, dass Frauen später geringere Karrierechancen hätten.

Immerhin habe sich der Anteil der Väter, die in Elternzeit gingen, seit 2001 gut verdoppelt - allerdings lediglich von zwei auf fünf Prozent. In Finnland und Dänemark nehme hingegen jeder zehnte, in Schweden sogar jeder dritte Vater Elternzeit. In diesen Ländern verfalle ein Teil der Elternzeit, wenn er nicht vom Vater genommen wird.

Silke Bothfeld, Ute Klammer, Christina Klenner, Simone Leiber, Anke Thiel, Astrid Ziegler: WSI-FrauenDatenReport 2005, Handbuch zur wirtschaftlichen und sozialen Situation von Frauen, edition sigma, Berlin

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