Kritischen Umgang lehren

Verbraucherzentralen fordern Werbe-Verbot in Schulen

Mehrere Verbraucherzentralen haben am Dienstag gefordert, kommerzielle Werbung in Schulen zu verbieten und strenge Bedingungen für Sponsoring aufzustellen. Aufgrund der allgemeinen Schulpflicht hätten Kinder keine Möglichkeit, sich offener oder durch versteckter Werbung an dem Ort zu entziehen, der aus Sicht der Verbraucherschützer Bildung und Erziehung vorbehalten bleiben muss. Kindern müsse statt dessen in Kindergarten und Schule ein kritischer Umgang mit Werbung vermittelt werden, damit sie eine Chance bekämen, selbstbestimmte Kaufentscheidungen zu treffen. Doch aufgrund mangelnder Finanzmittel nähmen viele Schulen die Angebote von Schulen an.

Die Verbraucherzentrale Sachsen kritisierte zudem die Forderung des sächsischen Kultusministers Steffen Flath (CDU), Unternehmen bei der Gestaltung von Bildungsinhalten und Unterrichtsmodulen zur Mitwirkung zu verpflichten.

"Ob mit Firmenlogo bedruckte Schreibblöcke verschenkt, Schul- und Sportfeste gesponsort oder Unterrichtsmaterialien von Lebensmittelherstellern eingesetzt werden: Die Schule wird missbraucht, um Kinder und Jugendliche früh an Marken zu binden", meinen die Verbraucherschützer.

Dass Maßnahmen in Schulen wettbewerbswidrig sein können, zeige die Aktion des Keks-Herstellers Bahlsen "Sammeln für die Klassenfahrt". Hier waren Schüler und Eltern aufgerufen, durch den Kauf von Bahlsen-Produkten Punkte zu sammeln, die bei Zustimmung des Klassenlehrers eine vergünstigte Klassenfahrt ermöglichten. Nach einer Klage des Verbraucherzentrale Bundesverbandes erklärte das Oberlandesgerichts Celle die Aktion für unzulässig, weil psychologischer Kaufzwang ausgeübt werde.

Jugendmedienmacher haben zudem andere Probleme mit Werbung in Schulen. Nicht dass sie Konkurrenz fürchten würden. Doch das Geschäftsgebahren mancher Firmen gefällt ihnen nicht: So hat sich der Geschäftsführer eines auf dem deutschen Schulwerbemarkt sehr aktiven Unternehmens in der Vergangenheit bei mancher Schülerzeitung sehr unbeliebt gemacht. Rechnungen wurden, wenn überhaupt, häufig nur mit massiver Verspätung und nach mehreren Mahnungen bezahlt - schnell ein Todesstoß für Projekte, die aus dem Taschengeld von Jugendlichen vorfinanziert werden. Wer sich über die Praktiken des Unternehmens oder des dazugehörigen sogenannten Jugendmedienverbands kritisch äußerte, setzte sich zudem dem Risiko von Unterlassungsaufforderungen und Klagen aus.

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